Vor 100 Jahren hatte hier jeder von Anfang an mitzuhelfen, sobald er auf Beinen stehen konnte – eine Frage des Überlebens !

Ehret den Bauernstand!

Familienbetriebe sichern allerhöchste Qualität

Mit den Maschinen stieg der Ertrag…

Es ist noch nicht wirklich lange her, da war alles anders, als heute. Ganz anders. Als der Hunger hierzulande noch ein alter Bekannter war. Es war eine elende, bittere Not, die noch vor 100 Jahren hier herrschte. Der lange Allgäuer Winter setzte den Menschen damals, vorwiegend bäuerlicher Herkunft, hart zu. Man musste von dem leben, was der familiäre Hof hergab.

War man nicht der Hoferbe, konnte man in einen anderen Hof einheiraten oder wurde Magd, bzw. Knecht in fremden Diensten. Jedes hungrige Maul musste durchgefüttert werden, daher wurden Kinder oft bereits in jungen Jahren auf andere Höfe geschickt, um einfache Dienste zu verrichten.

 

Es war zu der Zeit im wahrsten Sinne ein Kampf um‘s Überleben. Die immens wichtige Frage, ob man den richtigen Ketchup im Haus hat, stellte sich nicht, es gab keinen Ketchup. Und wenn es ihn gegeben hätte, wäre er zu teuer gewesen. Das wenige, was solche Höfchen damals abwarfen, meist hatte man ja nur eine Handvoll Kühe, wurde für die wichtigen Dinge benötigt. Oft genug wurde es aber auch einfach versoffen…

Dass unsereins, die etwas später und die viel später Geborenen, diese Zustände nie am eigenen Leib spüren mussten, verdanken wir nicht zuletzt der modernen Landwirtschaft.

Viele fleissige Hände waren nötig
 

Und natürlich verdanken wir es den fleissigen Landwirten und ihren Familien, die oft genug für kleinen Lohn, vielfach mehr aus Leidenschaft denn aus Gewinnstreben und stets mit größter Leistungsbereitschaft 365 Tage im Jahr ihren täglichen Dienst verrichten.

Frisch auf den Tisch – Grünfutter für die Kühe

Im Gegensatz zu den Großagrarbetrieben in anderen Gegenden dieser Welt, gibt es hierzulande überschaubare Betriebsgrößen. Familienbetriebe achten auf allerhöchste Qualität der erzeugten Lebensmittel – sowohl in konventioneller Herstellung, als auch in Bio. Dies sorgt in Folge auch für beste Käse- und Wurstwaren, regional produziert, regional verwertet und verspeist.


 
 
 
Bauer beim Gras wenden

Aber auch in ihrer Funktion als Landschaftspfleger leisten die Bauern einen wichtigen Dienst. Ohne regelmäßiges Mähen der Wiesen wäre das Allgäu nicht grün, wie wir es kennen, sondern es wäre braun und würde nach und nach versteppen. Und was wäre das Allgäu ohne Kühe auf der Wiese? Eine traurige Vorstellung…

Hohe Hygienestandards
 
 
 
Landschaftspfleger im Einsatz für beste Milch…
Das Buffet ist eröffnet…

Dabei haben die Betriebe wirtschaftlich schwer zu kämpfen. Erzeugerpreise, die oft nicht die Kosten decken, setzen ihnen schwer zu. Notwendige Investitionen können häufig nur getätigt werden, wenn zugleich Bauplätze verkauft werden, man zehrt daher von der Substanz.

 
 
 
Einsatz modernster Technik

Dies führt zu einer kaum zu überbietenden Vielseitigkeit der heutigen Landwirte. Neben den Einkünften aus der Milchwirtschaft werden häufig Feriengäste aufgenommen, man erzielt Erträge durch Holzwirtschaft und sucht sich auch sonst die eine oder andere Einnahmequelle. Ob das reicht, damit auch die Jungen noch genügend Zukunftsperspektive in der Landwirtschaft finden, wird sich zeigen. Hoffen wir, dass es auch in Zukunft viele Bäuerinnen und Bauern gibt, die unsere Allgäuer Heimat pflegen und erhalten.

Der nächste Winter kommt bestimmt…
 
Gelernt ist gelernt…

Landwirtschaft
im Wandel

Ein Bauer ernährte …

um 1900: etwa 4 Menschen

um 1925: etwa 6 Menschen

heute: etwa 140 Menschen


Arbeiten in der Landwirtschaft

1916 arbeiteten in Bayern noch rund 35 % aller Erwerbstätigen in Land- und Forstwirtschaft.

Heute sind es nur noch rund 2 %.


Zahl der Bauernhöfe

1907 gab es in Bayern knapp 670.000 landwirtschaftliche Betriebe.

Heute sind es nur noch gut 80.000.


Vor 200 Jahren

Die Feldarbeit geschah noch weitgehend von Hand. Sense, Sichel, Rechen und Heugabel bestimmten den Arbeitstag; Pferde und Ochsen lieferten die Zugkraft. Maschinen hielten erst allmählich Einzug. Vom blauen zum grünen Allgäu

Vor 200 Jahren war das Allgäu noch keine reine Grünlandregion. Neben Viehhaltung und Milchgewinnung wurden Getreide und Flachs angebaut. Erst im 19. Jahrhundert setzte sich die Grünland- und Milchwirtschaft immer stärker durch. Käseland Allgäu

Um 1800 gelangten Schweizer Kenntnisse der Emmentalerherstellung ins Allgäu.

Bereits 1852 galt das Allgäu als bedeutende „Käseküche Deutschlands“.

Von der Haus- zur Dorfkäserei

Mit steigenden Viehbeständen und wachsender Milchproduktion entstanden im 19. Jahrhundert zahlreiche Sennereien. Aus der Verarbeitung auf einzelnen Höfen entwickelte sich zunehmend die gemeinschaftliche Milchverarbeitung.


Milch je Kuh

1960: rund 3.100 kg im Jahr

heute: grob 8.000 kg im Jahr

Eine heutige Milchkuh gibt damit mehr als doppelt so viel Milch wie noch vor gut 60 Jahren.


Kühe je Milchviehbetrieb

Früher waren im Allgäu Höfe mit nur einer Handvoll Kühen normal.

Heute hält ein bayerischer Milchviehbetrieb durchschnittlich knapp 50 Milchkühe.


Alpwirtschaft

Die Alpwirtschaft ist im Allgäu bereits seit dem Mittelalter belegt. Mit dem Aufschwung der Käseherstellung wurden im 19. Jahrhundert viele Jungviehalpen zu Sennalpen. Heute werden im Allgäu noch etwa 690 Alpen bewirtschaftet.


Damals Muskelkraft –
heute Maschinenkraft

Eine Bauernfamilie musste mähen, wenden, heuen, laden, melken und ausmisten weitgehend von Hand. Heute erledigen Traktor, Mähwerk, Ladewagen, Melkanlage und teilweise Melkroboter Arbeiten, für die früher zahlreiche Menschen und viele Arbeitsstunden notwendig waren.Was gleich geblieben ist

Auch die moderne Technik ändert nichts daran, dass Tiere 365 Tage im Jahr versorgt werden müssen und die Bewirtschaftung der Wiesen die Allgäuer Kulturlandschaft entscheidend prägt.

Viele kleine Hühnerbetriebe haben sich entwickelt.

Landwirtschaft heute

Schätzung für die Gesamtregion Allgäu

• über 9.000 landwirtschaftliche Betriebe

• ca. 20.000 Menschen arbeiten unmittelbar in der Landwirtschaft

• ca. 250.000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche

• davon ca. 190.000 ha Wiesen und Weiden

• ca. 60.000 ha Acker- und sonstige Nutzflächen

• ca. 450.000 Rinder

• davon ca. 220.000 Milchkühe

• ca. 40.000 Schweine

• ca. 15.000 Schafe

• ca. 7.000 Pferde und andere Einhufer

• mehrere 100.000 Hühner

• außerdem Ziegen, Esel, Alpakas und Lamas

• Dam- und Rotwild in landwirtschaftlichen Wildgehegen

• vereinzelt Straußenhaltung

• Ackerbau vor allem mit Mais, Getreide und Futterpflanzen

• außerdem Kartoffeln, Gemüse, Obst und weitere Sonderkulturen

• Schwerpunkte: Milchviehhaltung und Grünlandwirtschaft

weitere Betriebszweige: Forstwirtschaft, Direktvermarktung und Ferien auf dem Bauernhof

Auch Ziegen sieht man öfters.
 
Volksfest Viehscheid

Landwirtschaft • Bauernstand • Familienbetriebe • Milchwirtschaft • Viehhaltung • Grünland • Käse • Wurstwaren • Landschaftspflege • Holzwirtschaft • Ferien auf dem Bauernhof • Allgäu

 
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