Altes Schloss Kißlegg

Altes Schloss Kißlegg

Übersicht

Das Altes Schloss Kißlegg ist ein Schlossbau der Renaissance mit barocken Umbauten in Kißlegg im Landkreis Ravensburg. Der Bau entstand in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts unter den Herren von Schellenberg an der Stelle einer mittelalterlichen Burg. Durch eine Heirat ging das Schloss Anfang des 18. Jahrhunderts an die Grafen von Waldburg-Wolfegg über, in deren Besitz es sich weiterhin befindet. Das Gebäude prägt gemeinsam mit zugehörigen Wirtschaftsgebäuden und dem angrenzenden Park die bauliche Struktur am Rand des Zeller Sees. In den Jahren 1717 bis 1721 wurde das Schloss im Inneren barock neu ausgestattet. Restaurierungsarbeiten im Jahr 1950 führten zur Freilegung von Wandfresken in einem der Rundtürme.

Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg würdigte das Objekt mit der Ernennung zum Denkmal des Monats Juli 2016. Eine allgemeine Besichtigung des Schlosses ist nicht vorgesehen.

Besuch und Eindruck

Das Schloss liegt am Rand des Zeller Sees und ist von einem nahezu rechteckigen Hof aus Schloss- und Wirtschaftsgebäuden umgeben. Der Zugang erfolgt über das Schlossareal, das durch die Anordnung der Gebäude eine geschlossene Hofsituation bildet. Der Hauptbau zeigt sich als kompakter, dreigeschossiger Baukörper mit prägnanter Dachform und mehreren Rundtürmen. Die äußere Erscheinung wird von der Verbindung aus Renaissance-Architektur und späteren barocken Ergänzungen bestimmt.

Sichtbar sind die drei runden Türme an den südwestlichen, südöstlichen und nordwestlichen Ecken des Hauptbaus, die jeweils mit Kegeldächern abschließen. Ein weiterer Turm an der nordöstlichen Ecke dient als Treppenturm. Der rechteckige Anbau an der nordwestlichen Seite fügt sich mit einem Pultdach in die Gesamtanlage ein.

Zum Schloss gehören mehrere Wirtschaftsgebäude, darunter zwei Schüttgebäude, Ställe und ehemalige Dienstwohnungen. Diese Gebäude rahmen gemeinsam mit dem Hauptbau den Hof. Der angrenzende Park ist als Englischer Garten angelegt. In einer Rundung der Schlossmauer befindet sich eine Nische mit einer Darstellung des heiligen Rochus, die nach dem Diebstahl einer früheren Statue als Wandbild ausgeführt wurde. An dieser Stelle werden nach überliefertem Brauch kleine Besen angebracht.

Das Schloss wird von der gräflichen Familie bewohnt. Eine reguläre Besichtigung ist nicht möglich. Öffnungszeiten und Zutrittsregelungen sind vor einem Besuch zu prüfen.

Geschichte

Der Bau des Schlosses wird in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts datiert. Es entstand vermutlich um 1560 unter Hans Ulrich von Schellenberg anstelle einer älteren mittelalterlichen Burganlage. Damit ersetzte der Neubau eine zuvor bestehende Befestigung durch einen repräsentativen Wohnsitz.

Im Jahr 1708 gelangte das Schloss durch Heirat an die Grafen von Waldburg-Wolfegg. In den Jahren 1717 bis 1721 veranlassten Ferdinand Ludwig von Waldburg-Wolfegg und seine Gemahlin Maria Anna eine umfassende barocke Neugestaltung der Innenräume. Die Arbeiten wurden von Johann Georg Fischer ausgeführt. In diesem Zusammenhang entstanden wahrscheinlich auch vorgelagerte Wirtschafts- und Ökonomiegebäude, die das heutige Erscheinungsbild des Hofes prägen.

Im Jahr 1950 fanden Restaurierungsarbeiten am Schloss statt. Dabei wurden in einem der Rundtürme Wandfresken freigelegt, die biblische Themen zeigen. Diese Maßnahmen trugen zur Sicherung und Erhaltung der historischen Bausubstanz bei.

Das Schloss blieb über die Jahrhunderte im Besitz der Familie Waldburg-Wolfegg und wird weiterhin als Wohnsitz genutzt. Weitere Nutzungsänderungen oder Zerstörungen sind in den vorliegenden Quellen nicht beschrieben.

Anlage und Baugestalt

Der Hauptbau des Schlosses besteht aus einem dreigeschossigen, annähernd quadratischen Baukörper. Charakteristisch sind die asymmetrischen Staffelgiebel sowie die Einbindung mehrerer Türme. An der nordwestlichen Seite ist ein rechteckiger Anbau mit Pultdach angefügt.

An drei Gebäudeecken befinden sich runde Türme mit Kegeldächern. Zwei dieser Türme dienten der Erweiterung des Wohnraums, während der nordöstliche Turm als Treppenturm ausgeführt ist. Die äußere Form des Schlosses wird in den Quellen mit Vorbildern der Ulmer Patrizierhäuser in Verbindung gebracht.

Die Innenräume sind größtenteils mit Stuckarbeiten von Antoni Frast ausgestattet, die aus der Phase des barocken Innenausbaus zwischen 1717 und 1721 stammen. Im Nordostturm befinden sich Wandfresken mit biblischen Darstellungen, die bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 1950 freigelegt wurden.

Zum Ensemble gehören mehrere Wirtschaftsgebäude, darunter zwei Schüttgebäude, Ställe und ehemalige Dienstwohnungen. Gemeinsam mit dem Schloss bilden sie einen geschlossenen Hof. Der zugehörige Park ist als Englischer Garten gestaltet.


Fakten

Lage: Kißlegg, Landkreis Ravensburg, Baden-Württemberg

Datierung/Entstehung: zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts, vermutlich um 1560

Bauherr: Hans Ulrich von Schellenberg

Umbauten: 1717 bis 1721 barocker Innenausbau

Eigentum/Nutzung: Besitz der Grafen von Waldburg-Wolfegg, Wohnnutzung

Besonderes: Wandfresken im Rundturm, freigelegt 1950

 
 
 

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