Burg Baltenstein

Übersicht

Die Burg Baltenstein liegt südwestlich des gleichnamigen Weilers in der Gemeinde Betzigau im Landkreis Oberallgäu. Sie wurde um 1200 als Lehensburg des Stiftes Kempten errichtet und diente den Herren von Stein, später von Baltenstein, als Wohn‑ und Verwaltungssitz. Die auf 810 Metern Höhe gelegene Spornburg gehört zu den kleineren Adelsburgen des Allgäus und veranschaulicht die frühen Formen des mittelalterlichen Burgbaus im Hochmittelalter. Heute sind nur noch die Fundamente des Wohnturms auf einem markanten Findling sowie Spuren von Wällen und Gräben erhalten. Diese Reste geben einen seltenen Einblick in die Bauweise einer kleinen stiftkemptischen Dienstmannenburg und sind archäologisch von regionaler Bedeutung.

Besuch und Eindruck

Das Burggelände liegt südwestlich des Weilers Baltenstein auf einer Erhebung über dem Illertal. Die Zugangsstelle ist über Wege aus der näheren Umgebung erreichbar, wobei die Reste der Anlage frei im Gelände liegen. Von Weitem erkennbar ist der mächtige Felsblock, auf dem die Burg errichtet war und der den Standort bis heute prägt. Die Ruine beschränkt sich auf die Fundamente des Wohnturms, die noch auf dem acht Meter hohen Findling sichtbar sind. In den Erdaufschlüssen unterhalb des Felsens finden sich Reste des vorherigen Wall‑ und Grabensystems, das den Bau gegen die Geländekante abgrenzte.

Das geländeprägende Turmfundament zeigt die typische Bauform einer hochmittelalterlichen Adelsburg in Spornlage, deren Größe mit 8,5 mal 15,5 Metern Grundfläche den beschränkten Wohncharakter verdeutlicht. Zugänglich ist nur der Außenbereich der Burgstelle; die Reste sind nicht überbaut und veranschaulichen die enge Verbindung zwischen Bauwerk und Felsuntergrund, da ein Teil der Mauerreste direkt auf dem Felsmassiv gründet.

Geschichte

Die Burg Baltenstein wurde um das Jahr 1200 von den Herren von Stein errichtet, die als Ministerialen dem Stift Kempten angehörten und sich später nach ihrem Sitz „von Baltenstein“ nannten. Die erste Erwähnung erfolgte 1239 mit dem Kemptner Dienstmann Heinrich von Stein. 1276 tauchten die Herren von Baldenstein in Urkunden auf. Mit dem Tod Heinrichs von Stein um 1289 erlosch das Geschlecht, und die Burg fiel zunächst an die Schenken von Sulzberg. Nach einer Zerstörung 1370 gelangte sie an den Kemptener Bürger Ruf Schellang und 1439 an das Kemptener Spital. Im 16. Jahrhundert wurde die Anlage aufgegeben und verfiel.

In ihrer Geschichte spiegelt sich die Wechselhaftigkeit stiftkemptischer Lehensverhältnisse des Mittelalters wider. Als kleine Dienstmannenburg ohne größere militärische Bedeutung wurden keine späteren Ausbauten vorgenommen, was den heutigen Fragmentzustand erklärt. Nach der Aufgabe im 16. Jahrhundert wurde das Baumaterial vermutlich anderweitig verwendet, wodurch nur die unteren Mauerabschnitte auf dem Fels erhalten blieben.

Anlage und Baugestalt

Die Burg war auf einem etwa acht Meter hohen Felsblock errichtet, der sich am Ende eines Sporns über das umgebende Gelände erhebt. Der Baugrund vermittelte eine natürliche Wehranlage, die durch Gräben und Erdwälle nach Süden und Osten verstärkt wurde. Die auffindbaren Fundamente bestehen aus zugerichtetem Haustein und formen ein unregelmäßiges Fünfeck, das als Grundriss des ehemaligen Wohnturms gedeutet wird.

Der Turm verfügte über eine Grundfläche von 8,5 mal 15,5 Metern, wobei die Mauern eine Stärke von rund 1,5 Metern aufwiesen. Auf dem Fels fanden sich eine Ebene für Wohnräume sowie darüber Verteidigungsebenen. Reste von Kellergewölben sind nicht überliefert. An der Nordostseite deuten leichte Erdaufwürfe und Vertiefungen auf den Verlauf des Grabens hin. Die topografische Lage verleiht der Ruine einen markanten landschaftlichen Charakter.


Fakten

Lage: Betzigau‑Baltenstein / Landkreis Oberallgäu / Bayern

Koordinaten:
47° 43′ 19,1″ N, 10° 24′ 3,8″ O

Höhe: 810 m ü. NN

Datierung/Entstehung: um 1200

Schutzstatus: Bodendenkmal

Eigentum/Nutzung: Freiliegende Ruinenstätte (ohne Nutzung)

Alternative Namen: keine bekannten

 
 
 

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