Burg Burgberg

Burg Burgberg

Übersicht

Die Burg Burgberg, auch Burg Heimenhofen genannt, liegt auf einem 760 Meter hohen Felsstock über dem Ort Burgberg im Landkreis Oberallgäu. Sie gehört zu den ältesten bekannten Höhenburgen des Allgäus und entstand um 1140 als Dienstmannenburg im Einflussbereich des Hochstifts Augsburg. Von der ursprünglichen Anlage blieb die Nordwand des frühmittelalterlichen Wohnturms erhalten, die zwischen 1992 und 1997 behutsam gesichert und nur minimale Ergänzungen erfuhr. Die kleine, in Hanglage errichtete Veste war mehrfach im Besitz adliger Familien und später Pflegamt des Bistums Augsburg, bis sie im Dreißigjährigen Krieg ausbrannte und verfiel. Die Ruine gilt heute als musterhafte Sanierung und wichtiger Zeuge der frühesten Turm‑ und Ringmauerburgen des Allgäus.

Besuch und Eindruck

Die Burgruine erhebt sich am südlichen Ortsrand von Burgberg auf einem steilen Felsriff am Westfuß des Berges Grünten. Vom Dorfplatz führt der Weg an der Kirche Sankt Ulrich vorbei, über Kirchstraße und Heimenhofenstraße bis zu einem ausgeschilderten Pfad, der oberhalb von Wiesen direkt zur Ruine führt. Der Aufstieg dauert etwa fünf Minuten und endet an einem Aussichtspunkt mit Informationstafel.

Das Burgplateau ist frei zugänglich und zeigt die gesicherte Nordmauer der Anlage sowie die Fundamente weiterer Bauten. Das kleinformatig gereihte Gestein des nördlichen Turmteils gehört zum Wohnturm aus dem 12. Jahrhundert. Die östlich anschließende Mauer aus Buckelquadern und Bruchstein entstand bei einer Erweiterung um 1330. Die Sanierung in den 1990er‑Jahren erhielt die Struktur, ohne das historische Mauerwerk zu überformen. Vom Burgplateau bietet sich ein weiter Blick über das Illertal und die nördliche Alpenkette.

Unterhalb des Hügels sind Reste der Vorburgen teilweise überbaut, am Hang stehen Fragmente einer hölzernen Deichelleitung sowie Spuren eines ehemaligen Kalkbrennofens und alter Steinbrüche. Der Ort zeugt damit nicht nur von mittelalterlicher Baukunst, sondern auch von früher wirtschaftlicher Nutzung des Umfelds.

Geschichte

Bereits um 1140 werden mit Burkart und Wernher von Burgberg Ministeriale des Hochstifts Augsburg urkundlich genannt. Als Stifter der Klöster Ottobeuren sowie Sankt Ulrich und Afra in Augsburg gehörten sie zum niederadligen Gefolge bischöflicher Verwalter. Von dieser ersten Bauphase ist die Nordwand des Wohnturms erhalten. Nach dem Aussterben der Burgberger ging die Herrschaft 1327 an die Rettenberger über und gelangte 1351 durch Erbschaft an die Familie von Heimenhofen. Marquard von Heimenhofen blieb auf Burgberg, sein Bruder Oswald errichtete unweit davon Burg Fluhenstein.

Im 15. Jahrhundert verlor die Burg an Bedeutung, ein Teil gelangte 1440 an das Hochstift Augsburg, weitere Anteile wurden 1468 an die Grafen von Montfort verkauft und später wieder zurückgewonnen. 1525 wurde die Veste während des Bauernkriegs geplündert, 1546 durch Truppen des Schwäbischen Bundes besetzt. 1563 verkaufte Hans Burkart von Heimenhofen den Besitz an Graf Hugo von Montfort auf Rothenfels. Drei Jahre später ging die Burg im Tausch an das Bistum Augsburg über und wurde Pflegamt der Herrschaft Rettenberg.

1606 kam es zu Bauernaufständen, die den Amtssitz kurzzeitig besetzten. Im Dreißigjährigen Krieg (1635) brannte die Burg aus und wurde nicht wieder aufgebaut. Das Pflegamt verlegte seinen Sitz nach Sonthofen, die verlassene Burg diente den Dorfbewohnern später als Steinbruch. Erst 1992 bis 1997 wurden die Restmauern im Rahmen einer denkmalpflegerischen Sicherung stabilisiert, die unter Mitwirkung des Burgenbüros des Archäologen Joachim Zeune erfolgte und als erste burgenkundliche „Mustersanierung“ im Allgäu gilt.

Anlage und Baugestalt

Die Hauptburg liegt auf einem Kalkfelsriff am Westhang des Grünten. Nach Osten wird sie durch eine natürliche Grabensenke vom Hang getrennt. Im Westen sind noch Reste der Ringmauer und eines Rundturms erkennbar. Im 15. und 16. Jahrhundert wurden der Ringmauer ein Zwinger vorgelagert und zusätzliche Verteidigungsanlagen eingefügt. Vom Dorf aus führte ein heute veränderter Aufgang nach Norden zum ehemaligen Torbereich, wo möglicherweise ein Torturm stand.

Das Burgplateau zeigt zwei unterscheidbare Bauphasen: die Nordhälfte mit regelmäßig gefügtem Gestein eines quadratischen Wohnturms (10 × 10 Meter) aus dem 12. Jahrhundert und die östliche Erweiterung aus dem 14. Jahrhundert mit Buckelquadern und Bruchsteinmauerwerk. Diese Vielfalt spiegelt die Bauentwicklung vom früh‑ zum spätmittelalterlichen Burgtyp wider. Unterhalb des Hauptfelsens liegen die Reste zweier Vorburgen sowie ein ehemaliger Wirtschaftshof mit Spuren von Steinbrüchen und einem verfallenen Kalkbrennofen.

Die gesicherte Nordmauer markiert heute das wichtigste architektonische Überbleibsel. Mit ihrer konservierten Struktur gehört sie zu den beispielhaften Restaurierungs‑ und Erhaltungsprojekten des Allgäus.


Fakten

Lage: Burgberg im Allgäu / Landkreis Oberallgäu / Bayern

Koordinaten: 47° 31′ 58,3″ N / 10° 17′ 21,7″ O

Höhe: 760 m ü. NN

Datierung/Entstehung: um 1140 (12. Jahrhundert)

Schutzstatus: Baudenkmal / Bodendenkmal

Eigentum/Nutzung: Gemeinde Burgberg / Frei zugänglich

Alternative Namen: Burg Heimenhofen

 
 
 

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