Burg Ettensberg

Übersicht

Die Burg Ettensberg liegt auf einem bewaldeten Bergrücken westlich der Gemeinde Blaichach im Landkreis Oberallgäu und zählt zu den ältesten Turmburgen des Allgäus. Sie entstand vermutlich bereits Ende des 11. Jahrhunderts als Sitz eines Dienstmannes des Hochstifts Augsburg und ging später an die Grafen von Montfort über. Die kleine Burganlage in Spornlage auf 844 Metern Höhe war in ihrer Blütezeit eine kompakte Wehranlage und diente mehrfach als Wohn‑ und Verwaltungsort. Heute sind nur noch Fundamentreste des Bergfrieds und einige Mauerzüge erhalten. Trotz ihrer geringen Größe stellt die Anlage ein beachtliches archäologisches Denkmal der mittelalterlichen Burgbaukunst in Schwaben dar.

Besuch und Eindruck

Der Burgplatz liegt etwa 500 Meter südwestlich der Pfarrkirche von Blaichach auf einem schmalen, etwa 15 bis 20 Meter breiten Grat oberhalb des Illertals. Der Zugang erfolgt über einen langgezogenen Höhenrücken, der den Bergsporn mit dem darüber ansteigenden Massiv verbindet. Am Ostende der Spornfläche trennt ein im Nagelfluhfels angelegter, teilweise verschütteter Halsgraben die Anlage vom Gelände. Der Aufstieg ergibt einen freien Blick auf das Illertal und die Bergzüge zwischen Stuiben, Mittagberg und Immenstädter Horn.

Von der ursprünglichen Burg sind heute nur noch geringe Reste sichtbar. Der Bergfried stand auf einem rund acht Meter hohen Turmhügel an der Angriffsseite und besetzte den Geländesporn. Seine Grundfläche betrug etwa 11,3 × 11,3 Meter. Die Fundamente aus Nagelfluhquadern waren noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts auf drei Seiten bis zu 2,5 Meter hoch erhalten. Heute zeigt sich nur noch eine Steinlage an der Ostseite. Die Innenfläche des Burgareals umfasste rund 35 × 24 Meter mit Spuren mehrerer Bauten, deren Grundrisse auf älteren Plänen nachweisbar sind.

Im Jahr 1934 wurde im Burghof ein Gedenkstein aufgestellt, der an die Anlage erinnert. Er geht auf die Initiative des Kemptener Bürgermeisters und Burgenforschers Otto Merkt zurück. Der Burgplatz ist heute frei zugänglich und vom Ort aus über Wege erreichbar. Der Zustand der Ruine ist dennoch kritisch: Das Mauerwerk zeigt weitreichende Erosion, besonders im Bereich des Bergfrieds, wo bereits ein großer Teil des Felsmaterials verloren ging.

Geschichte

Die erste Bebauung der Stelle geht wahrscheinlich auf das späte 11. Jahrhundert zurück. Sie entstand als Burgsitz eines Ministerialen des Hochstifts Augsburg. Eine mögliche Erwähnung findet sich 1147 mit Luitgard von Outensperch, deren Bezug zu Ettensberg jedoch nicht gesichert ist. Erstmals eindeutig urkundlich belegt wird die Burg 1377 mit Benz Oetisperg, einem Edelknecht als Dienstmann. Um 1409 übernahmen die Grafen von Montfort die Herrschaft und setzten Vögte ein, darunter Konrad von Laubenberg und Swigger von Rauns (1410).

Zwischen 1446 und 1466 nutzte die Gräfin Beatrix von Montfort die Burg als Witwensitz. 1562 wurde noch einmal ein Vogt mit der Burg belehnt, doch wenige Jahre später wurde sie bereits als verlassen bezeichnet. Als die Grafschaft Rothenfels verkauft wurde, erschien die Anlage 1564 bereits unter dem Begriff „Burgstall“.

In den folgenden Jahrhunderten diente das Mauerwerk der Bevölkerung als Steinbruch, wodurch viel Bausubstanz verlorenging. 1948 wurden die Fundamente archäologisch freigelegt und beim Inventarband von 1964 dokumentiert. Seitdem sind nur noch geringe Reste sichtbar. 2008 wurde der Zustand als desolat beschrieben, vor allem im Bereich des Bergfrieds, wo fast alle Mauerzüge abgegangen waren.

Anlage und Baugestalt

Die Burg besetzte eine natürliche Spornzunge über dem Illertal und nutzte das Gelände optimal zu Verteidigungszwecken. Der Grat mit dem Burgplatz ist rund 20 Meter breit und durch steil abfallende Seiten natürlich gesichert. Ein Halsgraben aus dem Nagelfluhfels schützte die Zugangsseite; später schnitt eine Materialgrube in ihn ein. Das Burgareal umfasste ein rechteckiges Plateau von etwa 35 × 24 Metern. Im Vordergrund erhob sich der turmartige Bergfried mit knapp acht Metern Höhe über dem Hofniveau. Die Mauern wurden aus massiven Nagelfluhquadern gesetzt und zeigten eine exakte Blockgliederung.

Die Wohn‑ und Wirtschaftsgebäude lagen östlich des Bergfrieds auf einer kleinen Terrasse. Ausgrabungen von 1948 ergaben Hinweise auf drei Räume im Erdgeschoss sowie mehrere Versturzschichten von Stützmauern. Der nördliche Eingangsbereich und das Burgtor sind völlig verloren. Heute sind im Gelände nur noch Schuttwälle und einzelne Bruchsteinzüge erkennbar.

Insgesamt veranschaulicht die Anlage den frühen Typus einer kleinen, an die Topografie angelehnten Dienstmannenburg, deren Bauweise den lokalen Nagelfluh als Konstruktionsmaterial nutzte und damit charakteristisch für das Allgäuer Bergland war.


Fakten

Lage: Blaichach / Landkreis Oberallgäu / Bayern

Koordinaten:
47° 32′ 27,7″ N, 10° 15′ 9″ O

Höhe: 844 m ü. NN

Datierung/Entstehung: spätes
11. Jahrhundert (bis vor 1377 urkundlich)

Schutzstatus: Bodendenkmal

Eigentum/Nutzung: gemeindefreies Gelände, frei zugänglich

Alternative Namen: keine bekannten

 
 
 

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