Am nordöstlichen Rand des Kaltentals, über dem kleinen Ort Helmishofen in der Gemeinde Kaltental, erhebt sich die Burgruine Helmishofen – im Volksmund „Römerturm“ genannt. Der mächtige quadratische Bergfried aus regelmäßig behauenen Nagelfluhquadern stammt aus dem 12. Jahrhundert und zählt zu den ältesten erhaltenen Wehrbauten im nördlichen Ostallgäu. Von der einst zweiteiligen Höhenburg blieben neben dem Turm nur wenige Mauerreste erhalten. Der Turm erhielt 2014 ein Pyramidendach und ist heute frei zugänglich.
Der sogenannte „Römerturm“ ist heute frei zugänglich und liegt direkt am Radweg zwischen Kaufbeuren und Schongau. Von einem kleinen Parkplatz am Ortsrand von Helmishofen führt ein kurzer Fußweg zur Anlage. Regelmäßig finden hier Veranstaltungen des Marktes Kaltental statt, darunter das Kaltentaler Turmfest mit Führungen und mittelalterlichem Rahmenprogramm.
Erbauer der Burg waren die Herren von Helmishofen, stiftkemptische Dienstmannen, die hier im 12. Jahrhundert ihren Sitz errichteten. Sie besaßen die Vogt- und Gerichtsrechte über mehrere umliegende Orte, darunter Aufkirch, Blonhofen und Altensberg. Von 1190 bis 1335 sind Mitglieder des Geschlechts namentlich belegt. Die Burg widerstand mehreren Belagerungen durch bayerische Truppen in den Jahren 1269, 1270 und 1315, brannte jedoch 1312 nach einem Gewitter fast vollständig nieder und wurde anschließend wieder aufgebaut.
Im Jahr 1437 übernahm das Hochstift Augsburg die Anlage und besetzte sie mit Pflegern. In dieser Zeit diente die Burg auch der Sicherung der sogenannten Kardinalstraße, einer wichtigen Verbindung zwischen Augsburg und den südlichen Besitzungen des Bischofs bis nach Füssen. Während des Bauernkriegs 1525 wurde die Burg von Aufständischen geplündert und beschädigt, jedoch bald wieder instand gesetzt. Auch der Dreißigjährige Krieg brachte Zerstörung und Wiederaufbau.
Nach einem Brand von 1792 blieb die Anlage endgültig Ruine. Die Steine wurden in der Umgebung für Wohn- und Wirtschaftsgebäude verwendet. Der erhaltene Bergfried ging 1803 in bayerischen Besitz über. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er durch den Historischen Verein von Schwaben und Neuburg renoviert und entwickelte sich bald zu einem beliebten Ausflugsziel. Eine weitere Sanierung erfolgte 1975/76 durch das Landesbauamt Kempten. 2011 erwarb die Gemeinde Markt Kaltental den Turm vom Freistaat Bayern, 2014 erhielt er das heutige Dach.
Die Burgruine liegt auf einem Hügelrücken über dem Kaltental. Die zweiteilige Anlage bestand aus einer Hauptburg mit mächtigem Bergfried und einer vorgelagerten Vorburg. Der quadratische Turm ragt etwa 20 Meter auf und ist aus regelmäßig behauenen Nagelfluhquadern errichtet. Im Inneren führen steile Treppen auf das begehbare Obergeschoss. Ursprünglich befand sich der Zugang etwa fünf Meter über dem Hofniveau, der ebenerdige Eingang entstand später.
Die Hauptburg wurde durch einen bis zu acht Meter tiefen Graben geschützt, während die Vorburg durch einen flachen, rechteckigen Graben abgesetzt war. Im Umfeld der Anlage sind zwei kleinere Turmhügelburgen – vermutlich Vorwerke oder Sitze untergeordneter Ministerialen – als Bodendenkmäler erhalten.
Der mächtige Bergfried wurde in seiner heutigen Form 1976 konsolidiert und 2014 durch das neue Dach vor weiterer Durchfeuchtung geschützt. Von der Plattform bietet sich ein weiter Blick über das Kaltental und die sanften Höhenzüge des nördlichen Ostallgäus.
Lage: Helmishofen, Gemeinde Kaltental, Landkreis Ostallgäu, Bayern
Koordinaten:
47° 54′ 03″ N, 10° 45′ 08″ O
Höhe: etwa 700 m ü. NN
Datierung/Entstehung: um 1180 (12. Jahrhundert)
Burgtyp: Höhenburg in Hügellage
Erhaltungszustand: Bergfried, Mauerreste, Gräben
Schutzstatus: Baudenkmal D-7-77-141-24; Bodendenkmal D-7-8030-0053
Eigentum/Nutzung: Markt Kaltental, Aussichtspunkt, Denkmal
Besonderheit: fälschlich als „Römerturm“ bezeichnet; bedeutender hochmittelalterlicher Wohnturm