Burg Hohenfreyberg in Eisenberg

Burg Hohenfreyberg

Übersicht

Auf einem felsigen Höhenzug oberhalb von Eisenberg im Landkreis Ostallgäu erhebt sich die Ruine der Burg Hohenfreyberg. Gemeinsam mit der benachbarten Burg Eisenberg bildet sie eine weithin sichtbare Doppelanlage über dem Pfrontener Tal. Die Gipfelburg gilt als einer der letzten großen Burgneubauten des deutschen Mittelalters und wurde von 1418 bis 1432 errichtet. Bauherr war Friedrich von Freyberg zu Eisenberg, der sich mit dem Neubau ein machtvolles Zeichen setzen wollte – bewusst im Stil älterer staufischer Burgen, obwohl die Zeit des Rittertums bereits im Niedergang begriffen war. Die Ruine zählt heute zu den größten und eindrucksvollsten Burgen Bayerns.

Besuch und Eindruck

Die Ruine Hohenfreyberg liegt auf etwa 1.040 Metern Höhe auf einem zweigipfeligen Felsrücken vor den Tannheimer Bergen. Von dort eröffnet sich ein weiter Blick über das Allgäuer Alpenvorland. Der Zugang erfolgt über markierte Wege, die auch an der Nachbarburg Eisenberg vorbeiführen. Das Gelände ist frei zugänglich und Teil des Kulturprojektes „Burgenregion Allgäu“.

Beim Betreten fällt die klare Gliederung in Vor- und Kernburg auf. Die äußere Vorburg umschließt ein weitläufiges Areal mit Artillerierondell, Toranlage und Resten früherer Wirtschaftsgebäude. Durch das Haupttor gelangt man in den engen Burghof der Kernburg. Dort standen zwei winkelförmig angelegte Wohnbauten, die an die Ringmauern anschlossen. In den oberen Geschossen befand sich eine Kapelle, die in den südwestlichen Rundturm integriert war.

Im Zuge der Sanierung zwischen 1995 und 2006 wurden Mauerreste und Wege gesichert, lose Steine wieder eingesetzt und die Anlage mit Infotafeln versehen. Die Konservierung gilt als vorbildlich, da sie auf Wiederaufbauten verzichtete und den überlieferten Zustand bewahrte. Eine Aussichtsplattform bietet heute einen Blick auf das Ensemble von Eisenberg und Hohenfreyberg, das zu den markantesten Burgruinen des Allgäus zählt.

Geschichte

Burg Hohenfreyberg wurde zwischen 1418 und 1432 von Friedrich von Freyberg zu Eisenberg errichtet, dem ältesten Sohn des Besitzers der Nachbarburg Eisenberg. Der Bauherr ließ eine Burg im Stil des Hochmittelalters entstehen – ein bewusster Rückgriff auf traditionelle Formen als Ausdruck adeliger Selbstbehauptung. Finanziert wurde das Projekt aus den Einkünften der kleinen Herrschaft, die Friedrich bereits zu Lebzeiten seines Vaters erhalten hatte.

Nach seinem Tod gelangte die Burg an seine Söhne Georg und Friedrich von Freyberg-Eisenberg-Hohenfreyberg. Da die Unterhaltung der Anlage hohe Kosten verursachte, verkauften sie die Herrschaft 1484 an Erzherzog Sigmund von Österreich. Unter Kaiser Maximilian I. wurde die Burg 1499 an den Augsburger Kaufmann Georg Gossembrot verpfändet, der erhebliche Mittel in Ausbau und Modernisierung investierte.

Unter Gossembrot erhielt die Burg neue Geschützstände, stärkere Mauern und Schießscharten. Er ließ außerdem einen großen Artillerieturm im Südwesten errichten. Seine Tochter Sibylle heiratete Lutz von Freyberg, womit die Verbindung zur Nachbarburg Eisenberg erhalten blieb. 1513 ging Hohenfreyberg wieder an Österreich zurück.

Im Bauernkrieg 1525 bewährten sich die Befestigungen: die Burg konnte erfolgreich verteidigt werden. Noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde die Anlage mit modernen Artilleriepositionen und Wehrgängen versehen. 1646 entschied die Tiroler Landesregierung, die Burgen Hohenfreyberg, Eisenberg und Falkenstein angesichts der heranrückenden Schweden zu räumen und zu verbrennen. Kurz darauf änderte sich die militärische Lage, doch die Burgen waren bereits zerstört.

1841 ging Hohenfreyberg aus staatlichem Besitz wieder an die Familie von Freyberg über, in deren Eigentum sie bis heute steht. Zwischen 1995 und 2006 wurde die Ruine im Rahmen eines internationalen Modellprojektes gesichert, das von der Stiftung Alp Action unter dem Schirmherren Prinz Sadruddin Aga Khan unterstützt wurde. Die Maßnahmen galten europaweit als beispielhaft für den denkmalgerechten Umgang mit Ruinen.

Anlage und Baugestalt

Hohenfreyberg besteht aus zwei Hauptbereichen: einer kompakten Kernburg mit kleinem Innenhof und einer vorgelagerten Vorburg. Die Kernburg entstand zwischen 1418 und 1432 und umfasste zwei Wohngebäude, einen bergfriedähnlichen Hauptturm und einen Kapellenturm. Sie war von einer kurzen Ringmauer umgeben. In der Vorburg lagen Wirtschaftsgebäude, während der Zugang ursprünglich an der Nordseite lag.

In der zweiten Bauphase ab 1456 verstärkte man die Tore und fügte kleine Artilleriehäuser hinzu. Zwischen 1486 und 1502 erfolgte der umfangreichste Umbau unter Gossembrot: Die Ringmauer wurde erhöht, mit Schlüsselscharten versehen und durch ein mächtiges Artillerierondell ergänzt. Der Hauptzugang wurde auf die Südseite verlegt, flankiert von neuen Türmen und Zwingermauern.

Im Norden entstand ein Flankierungsturm, der die Zwingeranlagen deckte. Ab etwa 1540 erhielt die Westfront eine Geschützplattform, deren Entwurf auf Befestigungstheorien Albrecht Dürers zurückgeht. Das Baumaterial stammt aus den umliegenden Kalksteinbrüchen.

Heute zeigen die erhaltenen Mauern den Entwicklungsstand spätmittelalterlicher Wehrarchitektur kurz vor dem Übergang zur bastionären Bauweise. Die sorgfältige Konservierung bewahrte diesen Zustand nahezu unverändert und machte die Anlage zu einem Referenzbeispiel für Burgenforschung und Denkmalpflege.


Fakten

Lage: Eisenberg, Landkreis Ostallgäu, Bayern

Koordinaten:
47° 36′ 49,7″ N, 10° 35′ 15,7″ O

Höhe: 1.040 m ü. NN

Datierung/Entstehung: 1418 bis 1432

Schutzstatus: Ruine, gesichert und konserviert

Eigentum/Nutzung: Familie von Freyberg, frei zugänglich

Alternative Namen: keine

 
 
 

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