Burg Kalden

Burgruine Alt-Kalden & Neu-Kalden

Übersicht

Die Burgruinen Alt-Kalden und Neu-Kalden befinden sich auf einer markanten Geländestufe etwa 90 Meter oberhalb der Iller bei Altusried im Landkreis Oberallgäu. Diese ehemalige Burganlage dokumentiert auf eindrucksvolle Weise den Kampf mittelalterlicher Bauherren gegen die Naturgewalten. Geologische Instabilität führte bereits im späten Mittelalter zur Zerstörung der ersten Burg, woraufhin 1515 eine neue Anlage errichtet wurde. Beide Burgen teilten letztendlich dasselbe Schicksal durch Hangrutschungen und wurden aufgegeben. Die Ruinenstätte bietet neben den spärlichen baulichen Überresten ein geologisch faszinierendes Profil des abgerutschten Felsmassivs und zeigt die Grenzen mittelalterlicher Bautechnik gegen Naturkatastrophen auf.

Besuch und Eindruck

Das Ruinengelände liegt etwa zwei Kilometer nördlich von Altusried und ist über den Kaldener Weg erreichbar. Eine entsprechende Beschilderung weist den Weg zur Burgruine. Etwa 100 Meter vor der Anlage steht eine Parkmöglichkeit zur Verfügung, von der aus ein ebenerdiger fünfminütiger Fußmarsch zur Ruine führt. Die Besichtigung ist ganzjährig und kostenfrei möglich.

Der erhaltene Rundturm mit etwa sechs Meter Außendurchmesser markiert den ehemaligen Zugang zur Burganlage. Das Bauwerk zeigt ein charakteristisches Mischmauerwerk aus verschiedenen regionalen Materialien wie Bachsteinen, Nagelfluhbrocken und Sandsteinbruch. Seitlich des Turmes sind noch etwa vier Meter hohe Verzahnungen der ehemaligen Ringmauer erkennbar. Westlich des Turmes finden sich weitere Mauerreste, die auf hausartige Bauten hinweisen.

Besonders eindrucksvoll ist das geologische Profil des abgerutschten Burgplatzes, das die verschiedenen Gesteinsschichten deutlich zeigt. Im oberen Bereich sind Kiese erkennbar, während der untere Bereich Sande und Mergel aufweist. Eine Hinweistafel vor Ort informiert über die Geschichte der Anlage. Etwa 300 Meter nördlich, schwer zugänglich auf einem schmalen Grat, befinden sich die letzten Reste der ursprünglichen Burg Alt-Kalden.

Geschichte

Das Geschlecht der Callindin wird erstmals 1128 urkundlich erwähnt und stand in Diensten des Stifts Kempten. Die Familie gab der Burg ihren Namen und verwaltete von hier aus ihre Herrschaft. 1384 wechselte die Burg durch Verkauf an die Herren von Rothenstein, die sie jedoch bereits 1409 an die mächtigen Herren von Pappenheim veräußerten. Diese Erbmarschälle des Reiches verkauften die Anlage drei Jahre später wieder zurück an die Rothensteiner.

Die geologische Instabilität des Standortes führte bereits im ausgehenden Mittelalter zu ersten Felsrutschungen und Substanzverlusten an der Burg Alt-Kalden. 1482 gelangten die Pappenheimer erneut durch Erbschaft in den Besitz der Herrschaft. Joachim von Pappenheim erkannte die Gefährlichkeit des alten Standortes und ließ 1515 etwa 300 Meter südlich der Ruine eine neue Anlage errichten, die den Namen Neu-Kalden erhielt.

Doch auch der Neubau konnte den geologischen Problemen nicht dauerhaft trotzen. 1692 verkauften die Pappenheimer die Burg an das Fürststift Kempten, gaben sie aber gleichzeitig wegen der anhaltenden Hangrutschgefahr auf. Um 1840 wurde die Anlage bis auf einen Turmrest vollständig abgebrochen. 1985 erwarb die Marktgemeinde Altusried das historische Gelände und machte es der Öffentlichkeit zugänglich.

Anlage und Baugestalt

Die ursprüngliche Burg Alt-Kalden war als zwei- oder möglicherweise sogar dreiteilige Anlage konzipiert und nutzte die natürlichen Gegebenheiten der Spornlage optimal aus. Die Westseite wurde durch ein Tobel geschützt, während die Ostseite steil zur Iller abfiel. Ein 25 bis 30 Meter breiter Halsgraben trennte den Burgplatz von der anschließenden Hochebene und setzte sich am Südwesteck im Tobel fort.

Der heute noch erhaltene Rundturm von Neu-Kalden flankierte den rampenartigen Zugang zum Burgplateau und zeigt ein sorgfältig gereihtes Mischmauerwerk. Die Konstruktion verwendete regionale Materialien wie Bachkatzen (flache Geröllsteine), Nagelfluhbrocken und Sandsteinbruch, während das Füllmauerwerk Dachziegelbruch enthält. Die Innenwand im ersten Stock besteht aus Bachsteinen. Der Turm war in Erdgeschoss und erstem Stock flach gedeckt und wies je drei Schlitzscharten zur Verteidigung auf.

Eine nach Osten gerichtete Tür außerhalb der Ringmauer wurde sekundär eingebaut und ersetzte eine ältere Schießscharte. Der Turm erfuhr 1977 eine Sanierung, insbesondere an der nördlichen Rückseite und der Mauerkrone. Von der ursprünglichen Anlage Alt-Kalden sind heute nur noch letzte Mauerreste aus Tuffgestein auf einem schmalen, durch Erosion entstandenen Grat erhalten.


Fakten

Lage: Altusried / Markt Altusried / Landkreis Oberallgäu / Bayern

Koordinaten:
47° 49′ 25,8″ N, 10° 12′ 0,4″ O

Höhe: 710 m ü. NHN, 90 m über der Iller

Datierung/Entstehung: Alt-Kalden ab 1128, Neu-Kalden 1515

Schutzstatus: Bodendenkmal (ID D-7-8127-0027)

Eigentum/Nutzung: Marktgemeinde Altusried seit 1985

Alternative Namen: Neu-Kalden, Burg Kalden


 

 
 

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