Burg Laubenbergerstein

Burg Laubenbergerstein

Übersicht

Am nördlichen Stadtrand von Immenstadt im Allgäu erhebt sich auf einem bewaldeten Hügel über der Iller die Ruine der Burg Laubenbergerstein. Die hochmittelalterliche Höhenburg entstand vermutlich im 12. Jahrhundert als Sicherung des Illerübergangs und diente zugleich als Verwaltungssitz und Wohnort der Ministerialen von Laubenberg. Sie gehört zu den ältesten Burganlagen im Oberallgäu und bewahrt trotz teilweiser Rekonstruktionen ihr historisches Erscheinungsbild. Besonders der mächtige Artilleriedonjon aus dem 15. Jahrhundert verleiht der Anlage ihren markanten Charakter. Heute ist die Ruine frei zugänglich und gilt als eines der eindrucksvollsten Zeugnisse spätmittelalterlicher Wehrarchitektur in der Region.

Besuch und Eindruck

Die Burgruine liegt oberhalb der B 19 zwischen Immenstadt und Stein im Allgäu. Ein kurzer, gut begehbarer Weg führt vom Parkplatz am Fuß des Burgbergs hinauf zum ehemaligen Haupttor. Das Gelände ist gesichert und kann ganzjährig kostenlos betreten werden. Vom Plateau des rekonstruierten Geschützturms öffnet sich ein weiter Blick über das Illertal bis zum Grünten. Die restaurierten Mauerzüge, Toranlagen und Schießscharten vermitteln anschaulich, wie komplex die Verteidigungsarchitektur dieser Anlage einst war. Der Heimatverein Immenstadt, dem die Burg gehört, betreut sie gemeinsam mit der Gruppe „Laubenberger Ritter“, die das historische Leben gelegentlich vor Ort veranschaulicht.

Geschichte

Die Burg Laubenbergerstein entstand wohl im 12. Jahrhundert im Auftrag der Bischöfe von Augsburg, um den nahegelegenen Illerübergang zu sichern. 1241 erscheint mit Heinrich von Laubenberg erstmals ein Angehöriger des gleichnamigen Rittergeschlechts, das im 14. Jahrhundert auch den Klöstern St. Gallen und Reichenau diente. Die Laubenberger standen im Dienst des Hochstifts Augsburg und besaßen zunächst nur die niedere Gerichtsbarkeit. Erst 1446 verlieh König Friedrich III. dem Kaspar von Laubenberg auf Laubenbergerstein die hohe Gerichtsbarkeit – ein Schritt, der zu heftigen Konflikten mit dem benachbarten Grafen Hugo XIII. von Montfort auf Rothenfels und Hugofels führte. Dessen Reiter plünderten 1449 mehrfach die Burg. Kaspar ließ daraufhin ab 1450 den massiven Artilleriedonjon errichten, der bis heute das Bild der Anlage bestimmt.

Im Deutschen Bauernkrieg von 1525 wurde die Burg kurzzeitig besetzt. 1559 verlegte die Familie ihren Sitz in das neu errichtete Schloss Rauhenzell, worauf Laubenbergerstein verfiel. 1629 galt sie bereits als ruinös, und 1641 wurden Baumaterialien verkauft. Nach mehreren Besitzerwechseln kam die Anlage 1977 in den Besitz des Heimatvereins Immenstadt, der in Zusammenarbeit mit der Stadt umfangreiche Sicherungsarbeiten einleitete. Seit 1998 werden die Restaurierungen wissenschaftlich begleitet, wodurch die Burg als Teil der „Burgenregion Allgäu“ erhalten blieb.

Anlage und Baugestalt

Die Burg wurde auf einem niedrigen Felsrücken aus Nagelfluhgestein errichtet. Eine Vorburg mit Halsgraben schützte den Zugang, der in einem Schleifensystem durch mehrere Toranlagen und Zwinger führte. Der frühere Bergfried wurde zu einem Torturm umgebaut, während der westliche Abschnitt durch den mächtigen Artilleriedonjon gesichert war. Dieser Turm, ein herausragendes Beispiel spätmittelalterlicher Wehrtechnik, besaß zahlreiche Schießscharten mit Sandsteingewänden und war über einen hölzernen Gang mit dem Torturm verbunden. Die Innenbebauung bestand aus einem kleinen Hof mit Wirtschaftsgebäuden und einem in Fachwerk aufgesetzten Palas. Südöstlich des Torturms lag eine Kapelle, deren spätgotische Ausstattung teilweise im Schloss Rauhenzell erhalten blieb.

Die heutige Anlage zeigt einen weitgehend wiederhergestellten Zustand. Rekonstruierte Mauerzüge und Torbögen machen die ursprüngliche Gestalt nachvollziehbar, ohne den Charakter der Ruine zu verfälschen.


Fakten

Lage: Immenstadt im Allgäu, Landkreis Oberallgäu, Bayern

Koordinaten:
47° 34′ 16″ N, 10° 14′ 12″ O

Höhe: ca. 780 m ü. NHN

Datierung/Entstehung: 12.–15. Jahrhundert

Bauweise: Nagelfluh- und Sandbruchsteinmauerwerk

Schutzstatus: denkmalgeschützt

Eigentum/Nutzung: Heimatverein Immenstadt e. V., frei zugänglich

Besonderheit: restaurierter Artilleriedonjon, Teil der Burgenregion Allgäu

 
 
 

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