Die Ruine der Burg Neuenburg erhebt sich auf einem bewaldeten Vorsprung über dem Durachtal, südöstlich des Ortes Durach im Landkreis Oberallgäu. Sie gehört zu den typischen Höhenburgen des Spätmittelalters, die strategisch auf einem Sporn über einem Flussbogen angelegt wurden. Von der Anlage sind heute vor allem der sanierte Rest des Bergfriedes und einige Mauerzüge sichtbar. Die Burg entstand nach 1300 als Sitz eines Zweigs der Herren von Sulzberg, deren Hauptlinie weiterhin auf Burg Sulzberg lebte. Als Nachfolgerin einer älteren Dienstmannenburg des Stiftes Kempten erhielt sie den Namen „Neuenburg“ oder „Neusulzberg“. Nach Jahrhunderten wechselvoller Nutzung verfiel die Veste und wurde als Steinbruch abgetragen.
Die Burgreste liegen auf rund 780 Metern Höhe über der Durach, deren Schleife den Sporn fast vollständig umschließt. Ein schmaler Weg führt aus dem Durachtobel hinauf zu den Ruinen. Im Tal verläuft der beschilderte „Wasserweg“, ein Wanderpfad mit mehreren Informationstafeln, die Natur und Geschichte des Ortes erläutern.
Von der einstigen Wehranlage haben sich Teile des Bergfriedes, Mauerreste der Ringmauer und Spuren der Vorburg erhalten. Der Turmstumpf im Nordosteck der Hauptburg ragt noch etwa sechs Meter empor. Sein vermauerter Hocheingang ist in der Westwand zu erkennen, daneben eine Gedenktafel aus dem Jahr 1926, die auf Initiative des Kemptener Bürgermeisters und Burgenforschers Otto Merkt angebracht wurde. Die Nord- und Ostseiten des Turmes wurden im 19. Jahrhundert bei einer Sprengung zerstört, um Baumaterial zu gewinnen.
Auf dem Gelände zeichnen sich zudem die Fundamente eines halbrund vorspringenden Schalenturmes und Reste einer Zwingermauer ab. Im Bereich der Vorburg sind Schuttwälle sichtbar, die auf ein größeres Gebäude hinweisen. Die Steilhänge des Burgbergs werden im Südwesten durch kurze Quergräben gesichert. Trotz einzelner Sanierungen durch die Gemeinde Durach Ende des 20. Jahrhunderts ist ein Teil der Mauern stark gefährdet.
Nach der Teilung des Geschlechts der Herren von Sulzberg um 1300 entstand die Burg Neuenburg als Sitz der jüngeren Linie. Sie ersetzte eine ältere Dienstmannenburg des Stiftes Kempten, was sich auch in ihrem Namen widerspiegelt. Der letzte Vertreter dieser Linie, Konrad Schenk von Sulzberg zu Neuenburg, starb 1380. Danach gelangte die Anlage an die mit den Sulzbergern verwandten Herren von Schellenberg.
1408 setzte das Fürststift Kempten einen eigenen Vogt ein, der direkt dem Fürstabt unterstand. Nach dem Verkauf des Lehens durch die Schellenberger 1421 wurde der Besitz 1436 von Kaiser Sigismund bestätigt. Ab 1455 diente die Burg als Straf- und Besserungsanstalt.
Während des Bauernkrieges von 1525 sollen dort Anführer der Aufständischen inhaftiert worden sein. Im Schmalkaldischen Krieg besetzten 1546 Truppen des Bundes die Anlage. Zwei Jahre später suchten Einwohner der Umgebung auf der Veste Schutz vor Kampfhandlungen. 1552 eroberte ein Reitertrupp der norddeutschen Fürsten die Burg nach kurzer Belagerung. Anschließend wurde sie erneut instand gesetzt.
Der letzte Vogt verließ die Anlage 1642, womit die Nutzung als Verwaltungssitz endete. Danach verfiel die Burg und diente als Steinbruch. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ließ ein Landwirt den Bergfried sprengen, um Steine zu gewinnen. Bei archäologischen Untersuchungen 1992 wurde der Sprengstollen entdeckt. Die Gemeinde Durach ließ den verbliebenen Turmstumpf in den Jahren 1993 und 1999 sichern.
Die Burg liegt auf einem Sporn, den die Durach fast vollständig umfließt. Zwei tiefe Halsgräben trennen den Burgplatz vom Bergrücken. Der äußere Graben folgt einer natürlichen Erosionsrinne, die nachträglich vertieft wurde. Der Zugang erfolgt von Osten, wo sich Reste eines Turmes oder Tores finden. Dahinter erstreckt sich die rechteckige Vorburg, in deren Südwestecke sich ein etwa 16 mal 18 Meter großes Gebäude befand.
Die Hauptburg im Westen war durch Ringmauern gesichert, von denen im Südwesteck die Fundamente eines halbrunden Schalenturmes sichtbar sind. Der Bergfried aus Bruchsteinmauerwerk besitzt einen annähernd quadratischen Grundriss von rund 9,8 mal 9,4 Metern und Mauerstärken um zwei Meter. Der Hocheingang befand sich in der Westwand. Nord- und Ostseiten des Turmes fehlen infolge der Sprengung um 1893. An den Bergfried schließt sich ein längerer Mauerzug an, der einst Teil des äußeren Wehrsystems war.
Trotz der Sicherung durch die Gemeinde in den 1990er-Jahren sind die übrigen Mauern in weiten Teilen ruinös. Rund 400 Meter nordöstlich der Anlage markiert ein Bauernhof den früheren Standort des Wirtschaftsgebäudes der Burg.
Lage: Durach, Landkreis Oberallgäu, Bayern
Koordinaten:
47° 41′ 30,7″ N, 10° 21′ 42,3″ O
Höhe: ca. 780 m ü. NN
Datierung/Entstehung: nach 1300
Schutzstatus: Ruine, von Gemeinde Durach gesichert
Eigentum/Nutzung: Gemeinde Durach, frei zugänglich
Alternative Bezeichnungen: Neusulzberg