Auf einem bewaldeten Sporn oberhalb des Immenstädter Ortsteils Rauhenzell liegt die Ruine der Burg Rauhlaubenberg, die in älteren Quellen auch als Burg Laubenegg bezeichnet wird. Sie entstand vermutlich im frühen 13. Jahrhundert als befestigter Wohnsitz der Grafen von Montfort und zählt zu den ältesten Turmburgen im Oberallgäu. Der Name erinnert an die Herren von Laubenberg, die die Anlage als montfortisches Lehen besaßen. Erhalten haben sich Teile des mächtigen Wohnturms aus Nagelfluhquadern sowie Mauerreste der Umwehrung. Trotz ihres ruinösen Zustands ist die Burg ein wichtiges Zeugnis der frühen Wehrarchitektur im Alpenvorland und dokumentiert die Entwicklung vom Wehrturm zur kleinen Höhenburg.
Die Burg liegt rund einen Kilometer nordöstlich von Rauhenzell über dem Weiler Egg auf etwa 795 Metern Höhe. Vom Wanderweg aus führen unscheinbare Pfade durch den Wald zu den Mauerresten. Eine Beschilderung fehlt, und der Ort ist kaum frequentiert. Die westliche Turmwand ragt noch acht Meter auf, während der östliche Teil mitsamt einem Teil des Hügels abgerutscht ist. Zwischen den Nagelfluhquadern sind Spuren späterer Ausbesserungen mit Ziegelbruch zu erkennen. Der Blick von der Abbruchkante reicht über das Illertal bis zu den Bergen des Allgäuer Hauptkamms. Da keine Sicherungsmaßnahmen bestehen, gilt beim Betreten Vorsicht, besonders nach Regen oder Schnee. Trotz der Abgeschiedenheit vermittelt der Platz eindrucksvoll die Atmosphäre einer frühen Adelsburg, deren Geschichte mit der Entwicklung der Herrschaft Rauhenzell eng verbunden ist.
Die Burg Rauhlaubenberg wurde vermutlich um 1200 von den Grafen von Montfort-Feldkirch errichtet, um ihre Besitzungen an der Iller zu sichern. Ab etwa 1265 gaben sie das Lehen an die Herren von Laubenberg, die zugleich die nahe Burg Laubenbergerstein innehatten. 1390 fiel die Herrschaft nach dem Tod Rudolfs IV. von Montfort an Österreich. Im Jahr 1414 geriet die Burg während einer Fehde zwischen Völk von Laubenberg und seinem Schwager Ulrich von Heimenhofen in fremde Hände, wurde aber bald darauf wieder zurückgegeben. 1423 erbte Hans von Laubenberg die Anlage und übergab sie später an seine Söhne Jos und Kaspar, die den Familienbesitz teilten. Hans’ Nachkommen erhielten Rauhlaubenberg, Kaspar die Burg Laubenbergerstein.
Während des Deutschen Bauernkrieges 1525 wurde die Burg geplündert, jedoch nicht zerstört. Etwa zwanzig Jahre nach dem Umzug der Familie in das neu errichtete Schloss Rauhenzell brannte sie 1579 aus und wurde aufgegeben. 1657 verlieh Österreich die verlassene Herrschaft an Johann Andreas Pappus von Tratzberg, den Tiroler Kanzler. Nach dem Aussterben der Familie Pappus 1934 kam die Ruine an die Freiherren von Lerchenfeld. Eine Gedenktafel aus dem Jahr 1935 erinnert an die wechselvolle Geschichte. Seither blieb die Anlage unverändert, verborgen im Wald oberhalb des ehemaligen Wirtschaftshofes.
Die Burg entstand als sogenannte Spornburg etwa 25 Meter über dem Hof Egg. Das Kernstück bildet ein quadratischer Wohnturm aus massiven Nagelfluhquadern, deren Kanten sorgfältig zu Buckelquadern mit schmalem Randschlag gearbeitet wurden. Dieses Merkmal weist auf eine Entstehung in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hin. Der Turm war ursprünglich viergeschossig und von einer steinernen Ringmauer umgeben, deren südwestlicher Abschnitt teilweise erhalten ist. Der östliche Teil des Turms stürzte mit dem Hang ab, während die Westwand bis zu acht Meter hoch steht. Innen ist eine halbrunde Wandnische erkennbar, möglicherweise der Ansatz einer Treppe oder eines Aborterkers.
Die Burg diente als reiner Wohnturm mit wenigen Nebengebäuden – ein einfaches „Thurmschloß“ ohne ausgeprägte Vorburg. Ziegelreste im Mauerverband deuten auf spätere Reparaturen hin, während rauchgeschwärzte Steine auf den Brand von 1579 verweisen. Vergleichbare Turmburgen aus der gleichen Zeit finden sich in Langenegg bei Waltenhofen und in Vilsegg im Außerfern.
Lage: Immenstadt-Rauhenzell, Ortsteil Egg, Landkreis Oberallgäu, Bayern
Koordinaten: 47° 33′ 52″ N, 10° 14′ 56″ O
Höhe: 795 m ü. NHN
Datierung/Entstehung: frühes 13. Jahrhundert
Bauweise: Nagelfluhquader, Buckelquader mit Randschlag
Schutzstatus: denkmalgeschützt
Eigentum/Nutzung: Privatbesitz, frei zugänglich
Besonderheit: Erhaltener Wohnturm einer frühen Montforter Ministerialburg