Über dem Alpsee bei Immenstadt erhebt sich auf einem schmalen Höhenrücken die Burgruine Rothenfels – eine der ältesten und geschichtlich bedeutendsten Höhenburgen des Oberallgäus. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet und bildete zusammen mit der nur 170 Meter entfernten Burg Hugofels eine mächtige Doppelburganlage. Der Standort war strategisch ideal gewählt: ein schmaler Sporn, an drei Seiten steil abfallend, mit weitem Blick über die Seenlandschaft des Immenstädter Beckens. Von der einstigen Hauptburg haben sich Mauerzüge, Fundamentreste und Geländespuren erhalten, die bis heute vom hohen Rang der Anlage zeugen.
Der Zugang erfolgt über den Wanderweg vom Parkplatz am Kleinen Alpsee, der in rund 15 Minuten zu erreichen ist. Ein steiler, gut begehbarer Pfad führt über den bewaldeten Sporn hinauf zum Burgplateau. Die Burgreste liegen inmitten dichter Vegetation und sind nur teilweise gesichert; das Betreten erfolgt auf eigene Verantwortung. An Ort und Stelle informiert eine Tafel der Burgenregion Allgäu über die Geschichte der Doppelburg Rothenfels–Hugofels. Vom Plateau aus öffnet sich ein eindrucksvoller Blick über die Alpseelandschaft, die Berge bei Immenstadt und den benachbarten Hugofelsfelsen. Die wenigen erhaltenen Mauerzüge aus mächtigen Nagelfluhblöcken lassen die einst monumentale Größe der Burg noch erahnen.
Burg Rothenfels wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts von den Herren von Schellenberg errichtet, die hier gemeinsam mit Burg Hugofels eine Doppelfeste anlegten. 1273 kam das Gebiet an König Rudolf von Habsburg, 1332 schließlich an Graf Wilhelm II. von Montfort-Tettnang. Unter Graf Hugo XIII. von Montfort erlebte die Anlage um 1440 ihre Blütezeit: Rothenfels wurde Zentrum der neuen Herrschaft Montfort-Rothenfels, die 1471 zur Reichsgrafschaft erhoben wurde. 1462 zerstörte ein Blitzschlag weite Teile der Burg, doch sie wurde rasch wiederaufgebaut – in dieser Phase entstand auch die Dreikönigskapelle mit ihrem kunstvollen Altar von etwa 1430.
Im Bauernkrieg von 1525 blieb die Belagerung erfolglos; zwei Jahrzehnte später besetzten schmalkaldische Truppen die Burg. 1567 gelangte sie durch Verkauf an die Grafen von Königsegg, die ihren Sitz später in das Stadtschloss von Immenstadt verlegten. Seit dem 17. Jahrhundert verlor Rothenfels ihre Bedeutung. 1801 wurden die Dächer zur Ziegelgewinnung abgetragen, 1816 bis 1818 die Mauern weitgehend abgebrochen. 1875 übernahm die Stadt Immenstadt die verbliebenen Reste. Mit der Einbindung in die Burgenregion Allgäu erhielt das Areal 2007 erstmals eine denkmalpflegerische Würdigung.
Die Burganlage liegt auf 826 Metern Höhe auf einem felsigen Sporn über dem Kleinen Alpsee. Nach drei Seiten fiel das Gelände steil ab, während im Osten ein schmaler Zugang über das Haupttor zum Burghof führte. Der Kern der Anlage bestand aus einem hufeisenförmig bebauten Hof, umgeben von dreigeschossigen Wohntrakten mit vier vorspringenden Rundtürmen. Der schildmauerartige Frontbau mit dem Haupttor schützte den Eingang; dahinter erhob sich der Bergfried auf einer zehn Meter hohen Felskuppe. Als Baumaterial diente der regionale Nagelfluh, kombiniert mit Bruchsteinfüllwerk.
Zwischen Rothenfels und Hugofels lag eine gemeinsame Vorburg mit Außentor, die noch heute bewohnt ist. Einzelne Mauerzüge und Fundamentreste lassen die Struktur dieser Doppelburg erkennen. Eine Lithographie von Xaver Glötzle aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zeigt den Zustand kurz nach den Abbrüchen und vermittelt ein Bild der einstigen Größe mit Bergfried, Wohnbauten und Wehrmauer.
Lage: Immenstadt im Allgäu, Landkreis Oberallgäu, Bayern
Koordinaten: 47° 34′ 8″ N, 10° 12′ 19″ O
Höhe: 826 m ü. NHN
Datierung/Entstehung: zweite Hälfte 13. Jahrhundert
Bauweise: Nagelfluhquader, Bruchsteinfüllwerk
Schutzstatus: denkmalgeschützt
Eigentum/Nutzung: Stadt Immenstadt, freier Zugang eingeschränkt
Besonderheit: Teil der Doppelburg Rothenfels–Hugofels, ältester Sitz der Montfort-Rothenfels