Die Ruine der Burg Rothenstein erhebt sich auf einem schmalen, steil abfallenden Hügelsporn südlich des Weilers Rothenstein, einem Ortsteil des Marktes Bad Grönenbach im Landkreis Unterallgäu. Die ehemalige Höhenburg liegt auf 727 Metern Höhe und gilt als eine der ältesten urkundlich erwähnten Burganlagen des Allgäus. Seit ihrer ersten Nennung im Jahr 1037 war sie über Jahrhunderte Herrensitz verschiedener Adelsgeschlechter, darunter die Ritter von Rothenstein und die Reichserbmarschälle von Pappenheim.
Die Reste der einst mächtigen Spornburg dokumentieren die wechselvolle Geschichte des regionalen Adels und die baukulturelle Entwicklung vom Hochmittelalter bis in die Neuzeit. Heute stellt die Ruine ein geschütztes Bau‑ und Bodendenkmal sowie ein Element der Burgenregion Allgäu dar.
Von Bad Grönenbach führt die Straße Richtung Legau nach Rothenstein, wo sich nach etwa zwei Kilometern ein ausgeschilderter Parkplatz befindet. Von dort erreicht man über einen kurzen, rund zehnminütigen Fußweg die Burgruine. Der Weg führt über die leicht ansteigende Spornkante – eine geologisch markante Erhebung der Oberen Süßwassermolasse – bis zum Schlossplateau.
Die Ruine liegt auf einer kleinen, weitgehend bewaldeten Hochfläche und nimmt nahezu das gesamte Plateau ein. Eindrucksvoll zeigt sich der rund 15 Meter breite Halsgraben, der den Burghügel von der ehemaligen Vorburg trennt. Ein schmaler Damm markiert heute den Zugang zur Hauptburg. An der Oberfläche sind Mauerreste, gesicherte Grundmauern und Teile der Nordwestwand sichtbar, die im Zuge von Sanierungen in den 1970er und 1980er Jahren stabilisiert wurden.
Vom einstigen Torbau sind Tuffsteinquader mit Verschlussvorrichtungen und eine Tafel von 1934 erhalten. Innerhalb des ehemaligen Burghofs sind die Linien des Palas und des Wohnturms als Fundamentreste erkennbar. Besucher gewinnen einen anschaulichen Eindruck von Aufbau und Größe der Anlage, die einst vollständig den schmalen Sporn ausfüllte. Der Rundblick über das Tal und die Umgebung führt die strategische Bedeutung ihres Standorts eindrucksvoll vor Augen.
Die Burg wurde vermutlich im frühen 11. Jahrhundert angelegt und 1037 erstmals urkundlich erwähnt. Sie diente den Herren von Rothenstein – Dienstmannen des Fürststifts Kempten – als Stammsitz. Im 14. Jahrhundert führte Ludwig der Alte von Rothenstein die Herrschaft, die anschließend auf seine Nachkommen überging. Durch Heiratsverbindungen trat 1409 Haupt von Pappenheim, der Gemahl der Korona von Rothenstein, kurzzeitig als Mitbesitzer auf.
Die Rothensteiner verloren ihre Burg während langwieriger Erbstreitigkeiten an die Pappenheimer. Diese verstärkten die Anlage nach 1482 mit Artillerietürmen und Zwingern. 1508 fiel die Burg noch einmal kurzzeitig an die Rothensteiner zurück, die sie 1514 aber verkaufen mussten. Von 1514 bis 1692 blieb sie im Besitz der Pappenheimer.
Während des Bauernkrieges 1525 wurden Burg und Herrschaft von aufständischen Bauern eingenommen. Im Dreißigjährigen Krieg plünderten 1632 Truppen der Schweden die Anlage, 1646 quartierte sich Feldmarschall Carl Gustav Wrangel mehrere Monate lang auf Rothenstein ein. 1692 erwarb das Fürststift Kempten die Burg und integrierte sie in sein Pfleggericht. Nach der Säkularisation 1803 ging sie zunächst an Kurpfalz‑Bayern und später in Privatbesitz über.
Am 19. März 1873 führten Erdsenkungen zum Einsturz großer Mauerteile und des Turms. Die Ruine verlor weiter an Substanz und wurde 1909 kurzzeitig zum Abbruch verkauft. Erst 1970 bis 1985 erfolgten umfangreiche Sicherungsarbeiten durch die Gemeinde Bad Grönenbach. Seither ist der Restbestand konserviert und als Denkmalschutzgebiet ausgewiesen.
Die Burg Rothenstein war eine typische Spornburg des 11. bis 15. Jahrhunderts, wie sie im Alpenvorland häufig vorkommt. Ein rund 15 Meter breiter Halsgraben trennte die Vorburg mit Wirtschaftshof von der Hauptburg. Ein Zugang führte über eine ehemalige Steinbrücke, heute als Damm erhalten. Das Mauerwerk besteht aus großen Nagelfluhquadern und Tuffstein, verarbeitet ohne Steinzangen, und stammt aus dem späten 12. oder 13. Jahrhundert.
Die Hauptburg umfasste einen Burghof von etwa 9 × 15 Metern und einen quadratischen Palas mit rund 10 Metern Seitenlänge. Ein gewölbter Keller aus Backstein ist noch teilweise erhalten und mittlerweile verschlossen. Der Artillerieturm mit 6,5 Metern Durchmesser diente der späten Wehranpassung an Feuerwaffen. Die Burgkapelle ist nicht mehr lokalisierbar; hier wurden noch um 1660 Messen gefeiert.
Von der Nordwestwand sowie vom Torbau sind Abschnitte im Originalbestand vorhanden; eine in Tuffstein gesetzte Hinweistafel erinnert an die wichtigsten Epochen der Burg. Rothenstein war eine reine Höhenburg, niemals eine Wasserburg, und bildet heute mit dem angrenzenden Hügelbereich ein prägnantes landschaftliches Denkmal.
Lage: Bad Grönenbach‑Rothenstein / Landkreis Unterallgäu / Bayern
Koordinaten:
47° 51′ 51,3″ N / 10° 12′ 5,4″ O
Höhe: 727 m ü. NN
Datierung/Entstehung: Erstmals 1037 erwähnt, Ausbau bis 15. Jahrhundert
Schutzstatus: Bau‑ und Bodendenkmal, landschaftsprägendes Denkmal
Eigentum/Nutzung: Gemeinde Bad Grönenbach / Burgenregion Allgäu‑Projekt
Alternative Namen: Rothenstein,
Burg Rothenstein