Burg Schöneberg

Übersicht

Die Burg Schöneberg, auch Schönberg oder Schöneburg genannt, liegt auf einer Höhe von 860 Metern bei Schönberg, einem Weiler der Gemeinde Betzigau im Landkreis Oberallgäu. Die Turmburg gehört zu den frühesten Burganlagen der Region und wurde vermutlich zwischen 900 und 1000 errichtet. Sie diente sowohl dem Kloster Kempten als auch adligen Vertretern als Wohn‑ und Verwaltungssitz. Als ehemaliger Lehenssitz des Stifts Kempten zeigt sie die enge Verknüpfung geistlicher und weltlicher Machtverhältnisse im Frühmittelalter. Heute ist der Burghügel mit seinen Mauerresten eine gepflegte archäologische Stätte und Teil des Projekts „Burgenregion Allgäu“. Trotz des starken Substanzverlusts bleibt Schöneberg ein bedeutendes Beispiel frühmittelalterlicher Burgarchitektur im Allgäu.

Besuch und Eindruck

Die Ruine befindet sich auf einem Hochplateau oberhalb von Schönberg und ist über Feld‑ und Waldwege aus Betzigau erreichbar. Der Burghügel liegt auf einem Basissockel von rund 28 Metern Breite und fünf Metern Höhe und hebt sich markant aus der Geländeumgebung ab. Das Burggelände ist frei zugänglich und wird durch einen benachbarten Bauernhof begrenzt, der sich auf dem ehemaligen Wirtschaftshof der Vorburg befindet.

Der Turmstumpf ist das einzige sichtbare Baurelikt. Er besteht aus Bruchsteinmauerwerk aus der Zeit um 1300 und ragt noch etwa vier Meter über den Burghügel hinaus. Die ursprüngliche Turmruine war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch viergeschossig erhalten. Beim Einbau eines Wasserspeichers um 1950 verlor sie drei Außenwände, woraufhin der Turm endgültig einstürzte. Die Burggräben, die früher Haupt‑ und Vorburg trennten, wurden um 1970 verfüllt. 2007 erfolgte eine Sicherung der noch stehenden Mauerreste im Rahmen des EU‑Projekts „Burgenregion Allgäu“.

Der Burgplatz wurde als Bodendenkmal ausgewiesen und zeichnet sich durch eine weitgehend unveränderte Geländesituation aus. Die Verknüpfung zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und archäologischem Burgareal macht den Ort zu einem anschaulichen Relikt mittelalterlicher Siedlungsgeschichte.

Geschichte

Die Burg Schöneberg wurde vermutlich zwischen dem späten 9. und frühen 11. Jahrhundert errichtet. Als Erbauer gelten die Äbte des Klosters Kempten in Zusammenarbeit mit einem nicht näher bekannten Rittergeschlecht. Sie diente als Verwaltungssitz und strategischer Stützpunkt der klösterlichen Besitzungen im östlichen Allgäu. Erstmals urkundlich nachweisbar ist die Burg im Jahr 1400, als Walter von Königsegg zu Wartenstein sie an den Ritter Heinrich von Nauns verpfändete. Bereits 1405 kam die Anlage als Eigentum an das Stift Kempten zurück. Die Übertragung wurde 1436 durch Kaiser Sigmund bestätigt.

Im Laufe der nachfolgenden Jahrhunderte verlor die Anlage ihre Bedeutung und fiel ab dem 17. Jahrhundert zunehmend in Verfall. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stand noch ein Teil des viergeschossigen Turms. Die Nutzung als Baumateriallager und der Einbau eines Wasserspeichers führten in der Mitte des 20. Jahrhunderts zu erheblichen Substanzverlusten. Erst mit der Aufnahme in das Programm zur Erhaltung historischer Burgen im Allgäu begann 2007 eine Sicherung der überlieferten Baureste durch die Gemeinde Betzigau.

Anlage und Baugestalt

Die Burganlage umfasste eine Hauptburg und eine nördlich vorgelagerte Vorburg, beide durch Gräben gesichert. Der Burghügel besitzt eine Basisbreite von etwa 28 Metern und ist rund fünf Meter hoch. Der Wohnturm war quadratisch angelegt und bestand aus Bruchsteinmauerwerk. Die noch erkennbaren Mauerabschnitte erreichen eine Höhe von bis zu vier Metern und lassen auf eine ursprüngliche Größe des Turms von mehreren Geschossen schließen. Die Baumaterialien und Bauformen weisen auf einen Ausbau um 1300 hin.

Der Wirtschaftshof der Vorburg wurde nach dem Verfall als landwirtschaftliche Fläche weiterverwendet. Der heutige Bauernhof oberhalb des Burgbereichs befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Vorwerks. Das Gesamtareal stellt ein Bodendenkmal dar und veranschaulicht die typische Struktur frühmittelalterlicher Turmhügelburgen im Allgäu.


Fakten

Lage: Betzigau‑Schönberg / Landkreis Oberallgäu / Bayern

Koordinaten:
47° 42′ 26,9″ N, 10° 23′ 23,8″ O

Höhe: 860 m ü. NN

Datierung/Entstehung: zwischen 900 und 1000

Schutzstatus: Bodendenkmal

Eigentum/Nutzung: Gemeinde Betzigau / Freiliegende Ruine

Alternative Namen: Schönberg, Schöneburg

 
 
 

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