Über dem Ortsteil Wagegg in der Gemeinde Haldenwang erhebt sich auf einem bewaldeten Hügel die Ruine der Burg Wagegg. Die Anlage, deren Ursprünge bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen, entwickelte sich von einer mittelalterlichen Höhenburg zu einem barocken Jagdschloss der Fürstäbte von Kempten. Ihre Geschichte spiegelt den Wandel vom wehrhaften Herrensitz zur repräsentativen Residenz wider. Heute sind nur noch geringe Reste der einst imposanten Anlage sichtbar, doch die Lage auf 814 Metern Höhe bietet einen weiten Blick auf das Alpenvorland.
Die Burgruine ist über einen befestigten Pfad erreichbar, der oberhalb des Weilers Priors in Richtung Wildpoldsried abzweigt. Der Aufstieg dauert wenige Minuten. Vom Burghügel aus eröffnet sich bei klarer Sicht ein weiter Blick über die Allgäuer Alpen.
Erhalten blieben Geländespuren, Mauerreste und ein massives Steintor. Die einstige Hauptburg lag auf einem felsigen Sporn, auf dem sich der Standort des früheren Bergfrieds noch erahnen lässt. Unterhalb der Burg befand sich später das barocke Schloss Wagegg, das im 18. Jahrhundert prachtvoll ausgebaut war. Heute erinnert nur noch die Geländeform an den Umfang der ehemaligen Schlossanlage. Eine kleine Höhle an der Ostseite des Hügels wird gelegentlich mit der Burg in Verbindung gebracht. Das Gelände ist frei zugänglich, eine Aussichtsplattform ermöglicht einen Blick über das Tal.
Die Burg Wagegg wird erstmals um 1170 erwähnt. Sie war Sitz der Herren von Wagegg, die als Dienstleute und Marschälle des Fürststifts Kempten eine bedeutende Stellung im Allgäu einnahmen. Nach dem Aussterben der Familie im Jahr 1374 ging die Herrschaft an das Fürststift über, das sie später an verschiedene Adelsgeschlechter verpfändete, darunter die Herren von Schellenberg und die Herren von Eisenburg. 1466 gelangte die Burg an Erzherzog Sigmund von Österreich, der sie drei Jahre später an Kaspar von Laubenberg übergab.
Unter Hans Kaspar von Laubenberg, kaiserlicher Rat Maximilians I., erlebte Wagegg um 1500 eine kurze Blütezeit. Während des Bauernkriegs 1525 wurde die Burg eingenommen, jedoch nicht zerstört. 1580 kaufte das Fürststift Kempten die Herrschaft zurück. Nach einer Plünderung im Jahr 1632 wurde die Anlage ab 1642 zum Jagdschloss umgebaut. Unter den Fürstäbten Rupert von Bodman und Rupert von Neuenstein entstanden ab 1715 ein barockes Lustschloss mit Gartenanlagen, Weihern und Tierpark.
Im Zuge der französischen Besetzung 1796 wurde das Schloss geplündert. Mit der Säkularisation fiel Wagegg 1806 an das Königreich Bayern und wurde im folgenden Jahr für den Abbruch verkauft. Die letzten Gebäudereste verschwanden 1851. Der Bauhof wurde 1908, das 1761 errichtete Jagdschlösschen 1967 abgerissen. 1976 erfolgte eine Notsicherung der verbliebenen Mauerreste durch das Forstamt Betzigau.
Die mittelalterliche Burg war als Höhenburg auf einem Sporn oberhalb des Wagegger Tals angelegt. Der Kernbereich bestand aus einer Hauptburg mit Bergfried, umgeben von Ringmauern und Vorwerken. Natürliche Steilhänge boten Schutz auf mehreren Seiten. Nach der Umwandlung in ein Jagdschloss im 17. Jahrhundert wurde das Gelände terrassiert und mit Gärten, Weihern und Lustbauten versehen.
Das barocke Schloss von 1715 war ein dreiflügeliger Bau mit reichem Fassadenschmuck und vorgelagerten Parkanlagen. Seine Errichtung erfolgte über den Resten der alten Burg, wodurch beide Bauphasen über Jahrhunderte eng miteinander verbunden waren. Nach dem Abbruch Anfang des 19. Jahrhunderts blieb nur das Fundament des Bergfrieds auf einem Felsen sichtbar. Heute zeugen Mauerfragmente, Erdwälle und das ehemalige Tor von der einstigen Größe der Anlage.
Lage: Haldenwang-Wagegg, Landkreis Oberallgäu, Bayern
Koordinaten:
47° 45′ 59″ N, 10° 22′ 49,4″ O
Höhe: 814 m ü. NN
Datierung/Entstehung: um 1170
Schutzstatus: Burgruine, Bodendenkmal
Eigentum/Nutzung: Forstverwaltung, frei zugänglich
Alternative Namen: Schloss Wagegg