Hohes Schloss in Füssen

Hohes Schloss Füssen

Überblick

Das Hohe Schloss erhebt sich unmittelbar über der Altstadt von Füssen und dem Kloster Sankt Mang. Das große Burgschloss der Augsburger Fürstbischöfe zählt zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Burganlagen Bayerns. Seine heutige Erscheinung wird vor allem vom spätgotischen Ausbau zwischen 1486 und 1503 geprägt.

Die Geschichte des Schlossbergs reicht wesentlich weiter zurück. In der späten römischen Kaiserzeit lag hier das Kastell Foetibus. Im Mittelalter wurde der Berg zum Streitpunkt zwischen den bayerischen Herzögen und dem Hochstift Augsburg. Ab 1322 entwickelte sich die Burg zum Sitz des Füssener Pflegamts und später zu einer repräsentativen fürstbischöflichen Residenz.

Besuch und Eindruck

Das Hohe Schloss bildet zusammen mit dem tiefer gelegenen Kloster Sankt Mang das beherrschende historische Ensemble über Füssen. Besonders auffällig sind die spätgotischen Giebel, Türme, Wehrgänge und die reich bemalten Hoffassaden. Die um 1499 entstandenen Illusionsmalereien täuschen Erker, Fensterrahmungen und architektonischen Schmuck vor und gehören zu den ungewöhnlichsten Fassadengestaltungen dieser Zeit.

Teile der Anlage sind öffentlich zugänglich. Im Nordflügel befinden sich die Staatsgalerie im Hohen Schloss und die Städtische Galerie. Der Rittersaal bewahrt eine spätgotische, farbig gefasste Schnitzdecke. Auch der Uhrturm ist für Besucher zugänglich und eröffnet einen weiten Blick über die Füssener Altstadt und das Alpenvorland.

Geschichte

Der Schlossberg war bereits in der späten römischen Kaiserzeit befestigt. Hier befand sich das Kastell Foetibus, das einer Nachschubeinheit der III. Italischen Legion diente. Im frühen Mittelalter lag unterhalb des Berges das von den Augsburger Bischöfen gegründete Kloster Sankt Mang.

Nach dem Ende der Staufer wurde die Vogtei über die Besitzungen des Hochstifts Augsburg zum Streitgegenstand. Herzog Ludwig II. von Bayern begann 1291/92 mit dem Bau einer Burg, um seine Ansprüche auf Füssen zu sichern. Nach Auseinandersetzungen mit dem Hochstift musste er auf die Anlage verzichten. 1322 erwarb der Augsburger Fürstbischof den Burgberg und vollendete beziehungsweise erweiterte die Befestigung. Füssen wurde Sitz eines Pflegamts.

Bereits 1363 war die Burg in die Stadtbefestigung einbezogen. Ihre bis heute bestimmende Gestalt erhielt sie unter Fürstbischof Friedrich von Hohenzollern zwischen 1486 und 1503. Die mittelalterliche Burg wurde zu einer repräsentativen spätgotischen Residenz ausgebaut. Um 1499 entstanden die reichen Architektur- und Illusionsmalereien im Hof.

Im späten 17. Jahrhundert ließ Fürstbischof Johann Christoph von Freyberg vor allem Innenräume barock umgestalten. Während der Koalitionskriege diente das Schloss 1798 und 1799 als österreichisches Zentrallazarett; 1800 wurde es von französischen Truppen besetzt. Mit der Säkularisation 1803 endete die fürstbischöfliche Herrschaft.

Im 19. Jahrhundert wurden Teile des Schlosses für Behörden, Gericht und Gefängnis genutzt. Seit 1931 beherbergt der Nordflügel eine Filialgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Umfangreiche Renovierungen erfolgten 1957/58 und 1966/67. Seit 2005 nutzt das Finanzamt Kaufbeuren Teile des Süd- und Westflügels.

Anlage und Baugestalt

Die lang gestreckte Kernburg passt sich dem Schlossberg an und ist durch einen tief in den Fels geschlagenen Halsgraben vom westlich anschließenden Gelände getrennt. Zwinger, Ringmauern, teilweise gedeckte Wehrgänge und mehrere Türme verdeutlichen den wehrhaften Charakter der Anlage.

Die hufeisenförmige Kernburg öffnet sich nach Osten. Nord- und Südflügel sind dreigeschossig und besitzen spätgotische, mit Fialen geschmückte Giebel. Im Westen steht der mächtige Bergfried, der auch als Gefängnisturm bezeichnet wird. Am Nordosteck erhebt sich der Storchenturm, ein mittelalterlicher Wohnturm mit hohem Satteldach.

Illusionsmalereien und Innenräume

Eine Besonderheit des Hohen Schlosses sind die um 1499 geschaffenen Illusionsmalereien an den Hoffassaden und am Torturm. Gemalte Wimperge, Kreuzblumen, Krabben und scheinbar vorspringende Erker erzeugen den Eindruck aufwendiger Architektur. Als ausführender Meister wird der Hechinger Maler Fidelis Eichele vermutet; der heutige Bestand ist stark restauriert.

Im Inneren haben sich mehrere spätgotische Räume erhalten. Dazu gehören die sogenannten Franzosenzimmer mit Holzdecken, eine kreuzgratgewölbte Halle im Nordflügel und der Rittersaal mit seiner farbig gefassten Schnitzdecke. Weitere Räume bewahren Balken- und Stuckdecken, Kachelöfen, Portale und historische Fenstergewände.


Fakten

Lage: Füssen, Landkreis Ostallgäu, Bayern

Koordinaten: 47.5672 N, 10.6982 O

Entstehung: Burgbau 1291/92, Ausbau ab 1322

Heutige Gestalt: spätgotischer Ausbau 1486 bis 1503

Bauherrschaft: Hochstift Augsburg, Augsburger Fürstbischöfe

Typ: Burgschloss, ehemalige fürstbischöfliche Residenz

Besonderheiten: spätgotische Illusionsmalereien, Bergfried, Storchenturm, Wehrgänge, Rittersaal

Heutige Nutzung: Staatsgalerie, Städtische Galerie, Finanzverwaltung

Zugang: Schlossbereich und Galerien teilweise öffentlich zugänglich

 
 
 

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