Das Hohe Schloss in Bad Grönenbach gilt als Wahrzeichen des Kneipp‑Heilbads im Landkreis Unterallgäu. Die auf einem Nagelfluhfelsen errichtete Anlage erhebt sich weithin sichtbar am westlichen Ortsrand auf einer steilen Bergnase. Sie gehört zu den wenigen erhaltenen Schildmauerburgen des Allgäus und ist ein bedeutendes Beispiel für den Übergang vom mittelalterlichen Wehr‑ zum barocken Wohnschloss.
Der Ursprung des Gebäudes reicht in das späte 13. Jahrhundert zurück. Seine Baugeschichte spiegelt die Entwicklung der adligen Herrschaftsverhältnisse im mittleren Allgäu wider – von den Herren von Rothenstein über die Pappenheimer und Fugger bis zum Fürststift Kempten und schließlich zum bayerischen Staat. Heute befindet sich das imposante Bauwerk in Privatbesitz und wird für eine zukünftige Nutzung als Hotel umgestaltet.
Das Hohe Schloss liegt am westlichen Rand des Marktfleckens Bad Grönenbach auf einem rund 40 Meter hohen Felsen. Vom Ortszentrum ist es zu Fuß über einen beschilderten Weg erreichbar; alternativ führt die Pappenheimer Straße direkt bis zum Schloss. Besucher gelangen über eine moderne Brücke durch das südliche Haupttor auf das Gelände. Der Graben, der das Schloss umgibt, ist bis zu 10 Meter tief und unterstreicht den wehrhaften Charakter der mittelalterlichen Anlage.
Die dominante Westfront mit ihren sieben Fensterachsen und bis zu fünf Geschossen überragt den Hang. Der runde Südturm mit oktogonalem Abschluss, der östliche Fuggeranbau von 1690 und der umlaufende Graben verleihen dem Schloss ein vielgestaltiges, eindrucksvolles Erscheinungsbild.
Im Inneren befinden sich barocke Repräsentationsräume mit Stuckdecken und Landschaftsveduten aus der Zeit um 1710. Besonders sehenswert sind die Decke des einstigen Kapellenraums mit Blattranken‑ und Muscheldekor sowie das Treppenhaus mit Balustergeländer.
Heute ist das Schloss für Besucher nur im Rahmen von Führungen, Konzerten oder kulturellen Veranstaltungen zugänglich. Der angrenzende Kreislehrgarten, im Jahr 2000 angelegt, ist öffentlich begehbar und bietet einen botanischen Überblick über Nutz‑, Heil‑ und Zierpflanzen der Region.
Der älteste Bauteil des Hohen Schlosses entstand um 1280 unter Heinrich Ludwig von Rothenstein, wahrscheinlich an Stelle einer älteren Fliehburg. Das Schloss war ursprünglich um zwei Geschosse niedriger als heute und diente als Herrensitz der Rothensteiner, die zuvor auch die nahegelegene Burg Rothenstein besessen hatten. Nach 1482 ging der Besitz auf die Reichserbmarschälle von Pappenheim über. Im Bauernkrieg 1525 wurde die Anlage beschädigt, jedoch wiederhergestellt.
1612 erbten die Fugger von Kirchberg‑Weißenhorn das Schloss durch Heirat und ließen es 1628 und 1690 ausbauen. Im spanischen Erbfolgekrieg wurde es 1703 von bayerischen und französischen Truppen sturmreif genommen und erneut instanthgesetzt. Ab 1695 gehörte der Bau dem Fürststift Kempten, das es als Sommerresidenz und Verwaltungssitz des Pfleggerichts Grönenbach nutzte.
Mit der Säkularisation 1803 fiel das Schloss an den bayerischen Staat und wurde Sitz des königlich‑bayerischen Landgerichts. Nach dessen Verlegung nach Memmingen (1878) erwarb Wilhelm Cronenberg 1881 den Bau und richtete ein Phototechnisches Lehrinstitut ein. 1901 ging das Haus an Dominikus Ringeisen, den Gründer der Ursberger Anstalten, über. Zwischen 1947 und 1951 ließen die Ursberger Schwestern das Gebäude innen und außen umfassend sanieren.
Nach 1979 diente das Schloss als Wohn‑ und Pflegeheim für behinderte Erwachsene. 1996 erwarb die Marktgemeinde Bad Grönenbach das Gebäude, nutze es für Veranstaltungen und Konzerte und legte den Kreislehrgarten an. 2021 wurde das Hohe Schloss an einen privaten Investor verkauft, der einen Umbau zum Hotel plant.
Das heutige Schloss basiert auf der mittelalterlichen Grundstruktur einer Schildmauerburg, bei der eine stärkere Frontmauer den ansteigenden Hang schützte. Der Bau wurde auf und teilweise aus einem Nagelfluhfelsen gehauen; Teile des ursprünglichen Felsmaterials wurden gleichzeitig als Baustoff verwendet.
Die Westfront misst 37,5 Meter und zeigt sieben Fensterachsen über fünf Geschosse. Der südwestliche Eckturm steigt bis zu 35 Metern auf und wechselt vom runden in einen achteckigen Aufbau. Der 1690 hinzugefügte Fuggeranbau ist dreigeschossig und mit einem Walmdach gedeckt. Ein neun bis zehn Meter tiefer Graben umgibt das Gebäude. Das Mauerwerk besteht aus Nagelfluh und Ziegel, ergänzt durch barocke Fassadengliederungen.
Innen bewahren mehrere Räume Stuckdecken und Dekore aus der Zeit um 1710/1720. Die Schlosskapelle im Nordflügel besitzt eine Stuckdecke mit Muschelmotiv, das Treppenhaus eine Holzbalustrade aus der gleichen Epoche. Mit diesen Elementen zeigt das Hohe Schloss eine seltene Mischform aus mittelalterlicher Wehrarchitektur und repräsentativem barockem Innenausbau.
Lage: Bad Grönenbach / Landkreis Unterallgäu / Bayern
Koordinaten: 47° 52′ 36″ N, 10° 13′ 0″ O
Höhe: ca. 720 m ü. NN
Datierung/Entstehung: um 1280 unter Heinrich Ludwig von Rothenstein
Schutzstatus: Baudenkmal (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege)
Eigentum/Nutzung: Privatbesitz (Sanierung zu Hotelprojekt geplant)
Alternative Namen: Burg Grönenbach, Hohes Schloss Grönenbach