Motte Dietmannsried

Burg Dietmannsried

Übersicht

Die ehemalige Burg Dietmannsried liegt im Ortszentrum des Marktes Dietmannsried im Landkreis Oberallgäu. Sie befand sich am heutigen Inselweiher, südlich der Pfarrkirche Sankt Blasius und Quirinus, und gehört zum Typ der Turmhügelburg (Motte). Diese befestigte Kleinburg entstand wohl im 12. oder 13. Jahrhundert aus den Kreisen des dienstpflichtigen Ortsadels, der dem Stift Kempten unterstand. Als Bauform repräsentiert sie eine der frühesten niederadeligen Wehranlagen der Region, deren Erdwerk – der Turmhügel mit umgebendem Graben – sich bis heute in außergewöhnlich gutem Zustand erhalten hat. Das Nebeneinander von Burg und Kirche in unmittelbarer Nachbarschaft verdeutlicht die Verflechtung weltlicher und geistlicher Herrschaft im mittelalterlichen Siedlungskern von Dietmannsried.

Besuch und Eindruck

Die Burgstelle befindet sich direkt im Ortskern an der Straße „Am Inselweiher“. Der runde, von Wasser umgebene Erdhügel erhebt sich mit 4,5 Metern über das Geländeniveau und besitzt einen Basisdurchmesser von etwa 14 Metern sowie einen Gipfeldurchmesser von rund 7 Metern. Der Umfassungsgraben ist bis heute mit Wasser gefüllt und bildet so das charakteristische Relikt dieser mittelalterlichen Wasserburg. Auf dem Hügel weist ein Gedenkstein auf den ehemaligen Standort der Burg hin. Eine Informationsstele, die 2020 erneuert wurde, vermittelt die Grundzüge der Anlage und ihre Geschichte.

Archäologische Funde liegen nicht vor; der Aufbau der Burg ist nur in allgemeinen Zügen rekonstruiert. Demnach befand sich auf dem Hügel eine hölzerne Turm‑ oder Hauskonstruktion, die von einer Palisade umgeben war und über eine Brücke vom Vorburgbereich erreicht wurde. Von der nordöstlich angrenzenden Vorburg hat sich nichts erhalten; sie liegt heute unter dem modernen Baugebiet. Das Naturdenkmal ist von öffentlichen Wegen einsehbar und steht unter Denkmalschutz. Eine kurze Zugangsstrecke vom Kirchhof führt an den Rand des Teichs mit Blick auf die mittelalterliche Burgstelle.

Geschichte

Der Burgtyp der Motte wurde im 11. Jahrhundert über Nordfrankreich und das Rheinland nach Süddeutschland übertragen und fand um 1100 auch im Allgäu Verbreitung. Dietmannsried verfügte zu dieser Zeit über einen örtlichen Dienstmannenadel, der im Auftrag des Stifts Kempten wirkte. 1251 erscheint ein Heinrich Voberger als kemptischer Lehensmann, 1364 folgten die Ritzner von Überbach, später Herren von Hirschdorf (1395), die Lauber aus Memmingen (1403) und 1478 die Rechberger auf Kronburg. 1512 erwarb das Stift Kempten das Anwesen, das damals als „Wasserhäuslein“ beschrieben wurde – ein Hinweis auf eine kleine, wasserumgebene Burg. Bereits 1583 war die Anlage verfallen und wird in den Quellen als „Burgstall“ bezeichnet.

Die Motte bildete zusammen mit der Pfarrkirche Sankt Blasius und Quirinus den Entstehungskern des mittelalterlichen Dorfes. Um sie entwickelten sich später Wohnhäuser, Handwerksbetriebe, Taverne, Badehaus, Schmiede und Mühle. Im 16. Jahrhundert ging der Adelssitz an das Stift Kempten über und verlor seine Funktion als Wohnburg vollständig. Erst 2002 bis 2003 entfernte die Marktgemeinde die Verbuschung und stellte die Form des Erdhügels wieder her, wodurch das Bodendenkmal gesichert und zugänglich gemacht wurde.

Mit der benachbarten Motte im Weiler Haslach besitzt Dietmannsried gleich zwei gut erhaltene Beispiele dieser Bauform. Beide Anlagen stehen unter Denkmalschutz und sind Mitglieder des Vereinsprojekts „Burgenregion Allgäu“.

Anlage und Baugestalt

Die Burg Dietmannsried war eine klassische niederadelige Motte – eine Turmhügelburg in Wasserlage mit Graben und teils aufgeschütteter Insel. Der auf geschichtetem Erdkern aufgebaute Hügel verjüngte sich nach oben und war von einem Ringgraben umgeben, dessen Aushub dem Hügel selbst als Baumaterial diente. Auf der Gipfelfläche stand ein hölzerner Turm oder Wohnbau, der durch eine Palisade geschützt war. Am Fuß des Hügels lag die Vorburg, in der Stallungen und Wirtschaftsbauten untergebracht waren. Diese Konstruktionsweise war einfach und kostengünstig, entsprach aber den begrenzten sozialen und wirtschaftlichen Möglichkeiten des Niederadels.

Massive Steinbauten waren auf einem solchen Erdhügel statistisch nicht tragfähig, weshalb die Dietmannsrieder Motte vollständig in Holz ausgeführt war. Erhalten blieben nur die Geländestruktur und der Graben. Der runde Erdhügel setzt sich deutlich vom Umland ab und dient heute als Anschauungsobjekt für die mittelalterliche Burgentypologie im Allgäu.


Fakten

Lage: Dietmannsried / Landkreis Oberallgäu / Bayern

Koordinaten:
47° 48′ 25,9″ N, 10° 17′ 25,1″ O

Höhe: nicht angegeben (Im Ortszentrum, Ortslage „Inselweiher“)

Datierung/Entstehung: 12.–13. Jahrhundert

Schutzstatus: Bodendenkmal

Eigentum/Nutzung: Marktgemeinde Dietmannsried / Freiliegende Burgstelle mit Infotafel

Alternative Bezeichnungen: Wasserhäuslein, Motte Dietmannsried

 
 
 

Optimiert für: Q U E R F O R M A T


Alle Bilder von Allgäubild