Das Neue Schloss Kißlegg ist ein zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtetes Schloss im Ortszentrum von Kißlegg im Landkreis Ravensburg. Der heutige Bau entstand nach einem Brand des Vorgängergebäudes und wurde in den Jahren 1721 bis 1727 als dreigeschossiger Putzbau ausgeführt. Bauherr war Johann Ernst II. von Waldburg-Trauchburg, der den Füssener Baumeister Johann Georg Fischer mit der Planung beauftragte. In die Ausführung flossen teilweise Bauteile der Burg Alt-Trauchburg ein.
Das Schloss war über Jahrhunderte Sitz der Linie Waldburg-Zeil-Trauchburg und blieb bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts im Besitz dieser Familie. Nach wechselnden Nutzungen während und nach dem Zweiten Weltkrieg ging es 1960 in den Besitz der Gemeinde Kißlegg über. Es folgten Sanierungen und eine Nutzung als Schulgebäude sowie später als kulturelle Einrichtung.
Heute vereint das Gebäude mehrere öffentliche Funktionen. Neben Ausstellungsbereichen und Veranstaltungsräumen sind kommunale Einrichtungen, Vereinsräume sowie ein Heimatmuseum untergebracht. Die barocke Architektur und die qualitätvolle Innenausstattung mit Stuck, Fresken und Skulpturen prägen den Charakter des Schlosses und begründen seine Bedeutung als kulturelles und baugeschichtliches Zeugnis in Kißlegg.
Das Neue Schloss liegt zentral im Ort und ist von einem Schlosspark umgeben, der um 1800 angelegt wurde. Der Zugang erfolgt ebenerdig, das Gebäude ist als freistehender Baukörper gut einsehbar. Bereits von außen prägen die klare Gliederung des dreigeschossigen Baus, die beiden nach Norden ausgerichteten Seitenrisalite sowie die differenzierte Dachlandschaft mit Sattel- und Walmdächern den Eindruck.
Im Inneren vermittelt das Schloss eine Abfolge repräsentativer und funktionaler Räume. Hervorgehoben wird das Treppenhaus mit einer dreigliedrigen Treppe, das durch acht Sibyllenfiguren gestaltet ist. Mehrere Räume aus der Bauzeit sind erhalten und zeigen Stuckarbeiten sowie Wand- und Deckenmalereien. Die Ausstattung wird Stuckateuren und Malern des 18. Jahrhunderts zugeschrieben, darunter Johannes Schütz, Francesco Solari und Johann Gabriel Roth.
Das Gebäude wird dauerhaft für kulturelle und öffentliche Zwecke genutzt. Teile des Schlosses dienen als Ausstellungsflächen für Kunst, andere Bereiche als Räume für Sitzungen, Feiern und kommunale Aufgaben. Im Erdgeschoss befinden sich Vereinsräume, ein Gäste- und Bürgerbüro sowie das Heimatmuseum. Hinweise auf Informationstafeln oder museale Präsentationen sind im Zusammenhang mit den Ausstellungsbereichen gegeben. Öffnungszeiten und Eintritt sind vor einem Besuch zu prüfen.
An der Stelle des heutigen Neuen Schlosses bestand bereits im 16. Jahrhundert ein Gebäude, das im Jahr 1523 errichtet wurde. Dieses wurde zwischen 1687 und 1691 durch einen dreigeschossigen Fachwerkneubau ersetzt, der unter anderem als Witwensitz der Gräfin Maria Monika von Waldburg-Trauchburg diente. Im Jahr 1704 wurde dieses Schloss durch einen Brand zerstört.
Der Neubau des heutigen Schlosses begann 1721. Mit der Planung wurde Johann Georg Fischer aus Füssen beauftragt. Der Bauherr Johann Ernst II. von Waldburg-Trauchburg ließ den Putzbau mit zwei Seitenrisaliten errichten, wobei teilweise Baumaterial von der Burg Alt-Trauchburg verwendet wurde. Die Fertigstellung erfolgte 1727. Um 1800 wurde der Schlosspark angelegt.
Bis 1941 blieb das Schloss Sitz des Hauses Waldburg-Zeil-Trauchburg. In den Jahren 1943 bis 1945 wurde das Gebäude als Internatsschule für evakuierte Schüler genutzt. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs war ein Lazarett im Schloss untergebracht, das 1945 in ein Kreiskrankenhaus umgewidmet wurde. Nach dessen Schließung 1957 erwarb die Gemeinde Kißlegg das Schloss im Jahr 1960.
In der Folgezeit wurde das Gebäude saniert und unterschiedlichen Nutzungen zugeführt. Zunächst diente es als Schulgebäude, später als Schulungsstätte und Instrumentenmuseum. Seit 1993 wird ein Obergeschoss museal genutzt, mit wechselnden Kunstausstellungen. Die Nutzung als öffentliches und kulturelles Zentrum prägt die jüngere Geschichte des Schlosses.
Das Neue Schloss Kißlegg ist als dreigeschossiger Putzbau ausgeführt. Zwei nach Norden gerichtete Seitenrisalite gliedern die Hauptfassade. Das Hauptgebäude ist mit einem Satteldach gedeckt, die Risalite tragen jeweils Walmdächer. Auf den Risaliten befinden sich nach Norden ausgerichtete Zwerchhäuser mit Schweifgiebeln.
Die Fassaden sind durch Putzquaderungen an den Gebäudeecken sowie durch horizontale Gliederungen zwischen den Geschossen strukturiert. Das Portal des Hauptbaus ist pilastergegliedert; darüber befinden sich in einer Mauernische zwei Figuren.
Im Inneren prägt das zentrale Treppenhaus mit seiner dreigliedrigen Anlage die Erschließung. Die Ausstattung umfasst Skulpturen, Stuckdecken und Fresken aus der Bauzeit. Mehrere Räume haben ihren historischen Zustand weitgehend bewahrt und vermitteln die barocke Wohn- und Repräsentationskultur des 18. Jahrhunderts.
Lage: Kißlegg, Landkreis Ravensburg, Baden-Württemberg
Koordinaten: nicht bekannt
Höhe: nicht bekannt
Datierung/Entstehung: Neubau 1721 bis 1727
Schutzstatus: nicht bekannt
Eigentum/Nutzung: Eigentum der Gemeinde Kißlegg, öffentliche und kulturelle Nutzung
Alternative Namen: nicht bekannt