Das Schloss Bedernau liegt im gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Breitenbrunn im Landkreis Unterallgäu. Es zählt zu den historischen Adelssitzen des Mindeltals und geht auf mittelalterliche Burganlagen zurück, deren erster Nachweis im Jahr 1453 erfolgt. Der heutige dreigeschossige Kubusbau entstand auf Grundlagen des 16. Jahrhunderts und zeigt Baumerkmale des späten Barock mit späteren Ergänzungen. Das Schloss wurde im Dreißigjährigen Krieg beschädigt und in mehreren Phasen erneuert. Eine gründliche Renovierung erfolgte in den Jahren 1966 bis 1968, bei der das Innere modern überarbeitet wurde. Seine Gestalt verbindet die Formensprache frühneuzeitlicher Herrschaftsbauten mit Elementen des 19. und 20. Jahrhunderts und prägt bis heute das Ortsbild von Bedernau im Zusammenhang mit der nahe gelegenen Kirche Sankt Georg.
Das Schloss steht im nordwestlichen Teil des Ortes, nur wenige Meter von der Kirche Sankt Georg entfernt. Von außen zeigt es sich als kompakter Bau mit symmetrischer Fassadengliederung und Pyramidendach. Die Zufahrt erfolgt über eine Brücke mit Steinbalustrade aus dem späten 19. Jahrhundert, die zum Südportal führt. Der Eingangsbereich mit seiner eingefassten Tür und den seitlichen Fenstern wurde 1966 bis 1968 neu versteint und mit modernen Rahmen und Schlusssteinen ausgestattet.
Markant sind die freistehenden Türme an den Nord-ecken, die durch überdachte Stegverbindungen mit dem ersten Obergeschoss verbunden sind. Diese bauplastischen Elemente verleihen dem Gebäude eine charakteristische Profilierung und verweisen auf spätere barocke Ergänzungen. Die Südseite zeigt Spuren ehemals gleicher Türme, deren Fundamente im Verlauf der Umfassungsmauer erkennbar bleiben. Ein überwölbter Gang führt vom südöstlichen Rondell zur Kirche Sankt Georg und ermöglichte den direkten Zugang zum Herrschaftsoratorium der Schlossherren.
Das Innere des Gebäudes wurde bei der Renovierung des 20. Jahrhunderts weitgehend modifiziert, nachdem frühere Raumfassungen nicht erhalten waren. Die Struktur der Gewölbekeller mit Tonnengewölben an der Ostseite und das Kehlbalkendach aus dem 18. Jahrhundert blieben jedoch bestehen. Der Eindruck des Baus entspricht damit einer stilistischen Mischung aus Spätbarock und repräsentativer Wohnarchitektur des 19. Jahrhunderts.
Für das 12. Jahrhundert ist in Bedernau bereits der Sitz eines welfischen Ministerialen nachgewiesen: Heinrich von Bedernau wird zwischen 1160 und 1172 in Urkunden genannt. Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts gehörte die Herrschaft den Herren von Mindelheim, später den Domherren Heinrich und Walter von Hochschlitz aus Augsburg. Um 1350 veräußerte Eitel von Burgau die Besitzungen an die Herzöge von Teck, die den Lehensbesitz 1401 wieder an die Herrschaft Mindelheim weitergaben. Die Burg von Bedernau wird 1453 erstmals namentlich erwähnt und befand sich damals im Eigentum der Memminger Familie Stebenhaber.
Während des Dreißigjährigen Krieges erlitt das Gebäude erhebliche Schäden und wurde in der Mitte des 17. Jahrhunderts erneuert. 1665 übernahmen die Grafen von Muggentahl die Herrschaft über Bedernau. Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern kaufte 1763 das Anwesen und übertrug es an seinen Hofkammerrat und Zahlmeister Joseph Ignaz von Kretz. Dieser ließ das verfallene Schloss 1764 bis 1765 grundlegend sanieren und die Nebengebäude erneuern. 1766 verkaufte er es an den Kurfürsten zurück. Kurfürst Karl II. Theodor verlieh das Schloss als Lehen an Joseph Sebastian Reichsfreiherr von Castell, dessen Nachkommen es weiter bewohnten.
Spätere Überarbeitungen und Umgestaltungen prägten das Erscheinungsbild bis in die Neuzeit. Die umfangreiche Renovierung von 1966 bis 1968 stabilisierte die Bausubstanz und passte die Innenräume modernen Nutzungsansprüchen an. Das Schloss blieb als historisches Wohngebäude und architektonischer Zeitzeuge erhalten und bezeugt die Adels‑ und Verwaltungsgeschichte des Mindeltals zwischen mittelalterlichem Ministerialwesen und bayerischer Landesherrschaft.
Schloss Bedernau ist ein kubischer, dreigeschossiger Bau mit Pyramidendach, kompakter Fassadengliederung und fünf zu vier Fensterachsen. Die Mauern bestehen aus massivem Bruchstein, verputzt und teils neu gefasst. Die Nordseite wird durch einen rechteckigen Risalit gegliedert, in dem das Treppenhaus liegt. An dessen Ecken stehen zwei rund ausgebildete Türme mit Kegeldächern, die über eingedeckte Stege zum Hauptbau verbunden sind. Diese Konstruktion unterstreicht den charakteristischen Burg‑ähnlichen Charakter der Anlage.
Das Erdgeschoss enthält zwei gewölbte Keller mit Tonnenform im Ostbereich. Eine innenliegende Treppe mit Kehldecke und Kreuzgratgewölbe führt in die Obergeschosse, deren zentraler Flur eine Flachdecke aufweist. Im zweiten Stockwerk befindet sich ein Saal mit drei Fensterachsen in der Südfront. Das über dem Gebäude liegende Kehlbalkendach stammt wahrscheinlich aus der Zeit der Erneuerung um 1764. Zum Kirchenbau St. Georg führt ein überdachter Verbindungsgang vom südöstlichen Eckturm – ein typisches architektonisches Merkmal für herrschaftliche Residenzen dieser Zeit.
Lage: Bedernau / Gemeinde Breitenbrunn / Landkreis Unterallgäu / Bayern
Koordinaten: nicht angegeben
Höhe: nicht angegeben
Datierung/Entstehung: Burg 1453 bezeugt, Schlossbau 16. Jahrhundert, Erneuerung 1764 bis 1765
Schutzstatus: Baudenkmal
Eigentum/Nutzung: Privatbesitz (adelige Nachkommen der Freiherren von Castell)
Alternative Namen: keine bekannt