Schloss Eisenburg

Schloss Eisenburg

Übersicht

Schloss Eisenburg ist ein Schloss im Ortsteil Eisenburg der Stadt Memmingen im oberschwäbischen Raum. Die Anlage liegt am Westrand des Dorfes im sogenannten Oberdorf und ist als Höhenburg angelegt. Schloss Eisenburg war über Jahrhunderte Hauptsitz der Herrschaft Eisenburg und blieb dies bis zur Säkularisation. Anschließend befand sich das Anwesen in den Händen Memminger Patrizierfamilien.

Die Geschichte des Schlosses reicht bis ins Hochmittelalter zurück. Eine erste Burganlage wird in das späte 12. Jahrhundert datiert, die urkundliche Ersterwähnung erfolgte 1208. Im Laufe der Zeit wurde die Burg mehrfach umgebaut, zerstört und neu errichtet. Prägend für das heutige Erscheinungsbild sind der barocke Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg sowie umfangreiche Umbauten und Überformungen zwischen dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Schloss Eisenburg ist vollständig erhalten, steht unter Denkmalschutz und wird heute zu Wohnzwecken genutzt.

Besuch und Eindruck

Die Schlossanlage erhebt sich am Rand des Dorfes Eisenburg auf einem Geländesporn. Nach Westen, Osten und Norden ist sie durch einen Graben vom umliegenden Gelände abgesetzt. Der Zugang erfolgt ausschließlich über eine Brücke auf der Ostseite. Diese Lage verleiht dem Schloss einen abgeschlossenen Charakter.

Vom Schloss aus bestehen weite Sichtbeziehungen in mehrere Richtungen. Bei entsprechender Witterung sind die Alpen sichtbar. Unterhalb der Anlage befindet sich ein größeres, nicht mehr genutztes Schwimmbecken mit einem weiterhin betriebenen Springbrunnen.

Das Schloss zeigt sich heute als geschlossene Anlage mit mehreren Baukörpern. Die äußere Erscheinung ist durch den Wiederaufbau nach dem Brand von 1926 sowie durch die zuvor erfolgte gotisierende Umgestaltung geprägt. Hinweise auf Informationstafeln sind in den Quellentexten nicht genannt. Öffnungszeiten und Eintritt sollten vor dem Besuch geprüft werden.

Geschichte

Die Herrschaft Eisenburg befand sich ursprünglich im Besitz des Klosters Ottobeuren. Um 972 wurde sie an das Reich abgegeben. Die Burg entstand vermutlich in staufischer Zeit und entwickelte sich an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert zum Zentrum der Herrschaft Eisenburg. 1208 ist das Schloss erstmals urkundlich erwähnt.

Der letzte Ritter von Eisenburg veräußerte Burg und Herrschaft an die Memminger Patrizierfamilie Sättelin. In der Folge kam es zu mehreren Besitzwechseln. 1601 verkaufte die Unterhospitalstiftung Memmingen das Schloss an die Ulmer Patrizierfamilie Neubronner.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg 1635 durch eine schwedische Besatzung der Reichsstadt Memmingen zerstört. Nach dem Wiederaufbau blieb Schloss Eisenburg bis 1805 Sitz der Herrschaft und bis 1848 Ort der Patrimonialgerichtsbarkeit.

Nach dem Tod des letzten Gutsherren im Jahr 1864 wechselten die Eigentümer mehrfach. Im Juli 1888 wurde das Schloss an Frida Forster, geborene Sander, verkauft. Mit dem Erwerb umfangreicher Waldflächen wuchs das Schlossgut erheblich. Ab 1893 bildeten Schloss und Gut einen zentralen Bestandteil der regionalen Wasserversorgung.

1914 wurde das Schloss erstmals elektrisch beleuchtet. In der Silvesternacht 1926 kam es zu einem Brand, bei dem der Dachstuhl und große Teile des obersten Geschosses zerstört wurden. In den 1960er Jahren beherbergte das Schloss eine Haushaltungsschule sowie ein Internat. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörten umfangreiche Ländereien und Gebäude zum Schlossgut. Schloss Eisenburg befindet sich bis heute im Privatbesitz der Nachkommen der Familie Forster.

Anlage und Baugestalt

Der Schlossstandort war nach Überlieferung bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit besiedelt. Im Keller des Ostflügels sind Kreuzgratgewölbe erhalten, die auf einen mittelalterlichen Kernbau hinweisen. Ein Ausbau der Burganlage erfolgte 1567.

Nach der Zerstörung von 1635 wurde das Schloss zwischen 1653 und 1656 im Barockstil neu errichtet. Es entstand eine zweiflügelige Anlage mit polygonalen Türmen an den östlichen Ecken, die bis zur Traufhöhe geführt waren. 1741 wurde die heute bestehende Bogenbrücke mit sechs Feldern errichtet, die eine ältere Brückenkonstruktion mit Torhaus ersetzte.

Zwischen 1894 und 1895 kam es zu einer gotisierenden Umgestaltung unter der Leitung des Architekten Karl Albert Gollwitzer. Nach dem Brand von 1926 wurde das Schloss bis 1927 wiederhergestellt, jedoch nur in Anlehnung an das frühere Erscheinungsbild. Auf eine erneute Ausgestaltung der Türme wurde verzichtet.

Das heutige Gebäude ist dreigeschossig und besitzt eine Tordurchfahrt im Erdgeschoss. Das mehrstöckige Walmdach mit Fledermausgauben ist nicht ausgebaut. Ein westlicher Anbau wurde später hinzugefügt und dient Wohnzwecken.


Fakten

Lage: Eisenburg, Ortsteil der Stadt Memmingen, Bayern

Koordinaten:
48° 0′ 59″ N, 10° 12′ 34″ O

Höhe: 643 m

Datierung/Entstehung: erste Burg um 1188, barocker Neubau 1653 bis 1656

Schutzstatus: Baudenkmal, Bayerische Denkmalliste

Eigentum/Nutzung: Privatbesitz, Wohnnutzung

Alternative Namen: nicht bekannt

 
 
 

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