Am südlichen Ortsrand von Günzach im Landkreis Ostallgäu steht das barocke Schloss Günzach, eine dreiflügelige Anlage aus dem Jahr 1730. Es entstand im Auftrag des Kemptener Fürstabts Anselm von Reichlin-Meldegg, nachdem das frühere Jagdschloss im Grünegger Wald bei einem Sturm eingestürzt war. Das neue Schloss wurde „im Tal an der Günz“ errichtet und diente zunächst als fürstäbtliche Sommerresidenz. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich die Nutzung mehrfach – vom herrschaftlichen Landsitz über eine Brauerei bis hin zu industriellen Betrieben. Heute steht das Gebäudeensemble unter Denkmalschutz.
Das Schloss liegt im Ortsgebiet von Günzach und prägt mit seiner breiten Front und den Walmdächern das Dorfbild. Die Anlage besteht aus drei Flügeln, die einen offenen Hof bilden. Um 1900 erhielt das Schloss eine fein gegliederte Putzfassade, die dem Bau ein repräsentatives Erscheinungsbild verleiht. Im Norden schließt sich ein Maschinenhaus von 1902 an, das aus der Zeit der industriellen Nutzung stammt. Südöstlich des Hauptbaus steht ein zweiflügeliges Ökonomiegebäude, dessen Kern noch aus dem 18. Jahrhundert stammt.
Auf dem Schlossgelände befindet sich zudem eine kleine katholische Kapelle zur Heiligen Familie, die 1902 errichtet wurde. Das Ensemble ist nicht öffentlich zugänglich, von außen aber gut sichtbar. Das Erscheinungsbild spiegelt die wechselvolle Geschichte des Anwesens zwischen geistlichem Besitz, bürgerlicher Nutzung und industrieller Entwicklung wider.
Das heutige Schloss Günzach wurde 1730 unter Fürstabt Anselm von Reichlin-Meldegg erbaut. Anlass war der Einsturz des ehemaligen Jagdschlosses im Grünegger Wald. Der neue Bau entstand im Tal der Günz als barocke Dreiflügelanlage und diente zunächst den Äbten von Kempten als Landsitz.
Nach der Säkularisation 1803 gelangte das Schloss in privaten Besitz. Der neue Eigentümer Johann Friedrich richtete in den Gebäuden eine Brauerei ein, die bald überregional bekannt wurde. Zwischen 1855 und 1875 übernahm die Familie Gabler aus Obergünzburg den Betrieb und führte die „Schlossbrauerei Günzach“ bis zu ihrer Schließung im Jahr 1930.
In den Folgejahren zog eine Baumwollspinnerei in die Gebäude ein, später entstand dort die erste „Allgäuer Glasmanufaktur“. Diese Nutzungen veränderten das Innere des Schlosses, ohne die barocke Grundstruktur zu zerstören. Die letzte Eigentümerin, Eleonore Gabler (1923–2020), führte das Gut bis ins 20. Jahrhundert und war von 1972 bis 1984 Mitglied des Gemeinderats von Günzach. Mit ihr endete die über hundertjährige Verbindung der Familie Gabler zum Schlossgut.
Das Schloss Günzach ist eine dreiflügelige barocke Anlage mit Walmdächern. Der Hauptbau öffnet sich nach Süden zu einem Ehrenhof, der von den Seitenflügeln begrenzt wird. Die Fassaden erhielten um 1900 eine Putzgliederung mit Pilastern und Gesimsen, wodurch der ursprünglich schlichte Bau eine stärker repräsentative Wirkung erhielt.
An der Nordseite befindet sich ein Maschinenhaus aus dem Jahr 1902, das auf die spätere industrielle Nutzung verweist. Südöstlich des Schlosses liegt das zweiflügelige Ökonomiegebäude aus dem 18. Jahrhundert, das ehemals Wirtschafts- und Verwaltungsräume enthielt. Die Schlosskapelle zur Heiligen Familie schließt sich südlich an und zeigt typische Formen des frühen 20. Jahrhunderts mit Rundbogenfenstern und schlichtem Dachreiter.
Das gesamte Ensemble bildet ein Beispiel für die Anpassung barocker Gutshöfe an neue wirtschaftliche Anforderungen im 19. und 20. Jahrhundert, bei gleichzeitigem Erhalt des historischen Erscheinungsbilds.
Lage: Günzach, Landkreis Ostallgäu, Bayern
Koordinaten: nicht angegeben
Höhe: nicht angegeben
Datierung/Entstehung: 1730 (Neubau durch Fürstabt Anselm von Reichlin-Meldegg)
Schutzstatus: denkmalgeschützt
Eigentum/Nutzung: Privatbesitz, derzeit nicht öffentlich zugänglich
Alternative Namen: Schlossgut Günzach