Am Zusammenfluss von Kohbach und Krebsbach, am Rand des Ortes Holzgünz im Landkreis Unterallgäu, liegt das ehemalige Schloss der Memminger Kreuzherren. Die Anlage entstand 1586 als Sommerresidenz des Spitalmeisters Balthasar Mayer und zählt mit ihrer Schlosskirche St. Simon und Judas Thaddäus zu den eindrucksvollsten Renaissanceensembles im Günztal. Das Schloss wechselte nach der Säkularisation mehrfach den Besitzer und diente im Lauf der Jahrhunderte als Wohnsitz, Pfarrhof, Bräuhaus, Schule und Krankenhaus. Heute beherbergen die Flügel Wohnräume und eine Gastwirtschaft, die an die historische Brautradition des Hauses anknüpft.
Das Schloss liegt zentral im Dorf Holzgünz und ist über den Kirchplatz gut erreichbar. Seine vier Flügel gruppieren sich um einen Innenhof, den die Schlosskirche im Norden abschließt. Besonders auffällig sind die verschiedenen Dachformen – Sattel-, Walm- und Zeltdächer – sowie die Renaissanceelemente an Portalen und Fenstern. Der Ostflügel mit Erker und Turm, der Südflügel mit Torbogen und Segmentgiebel sowie der Westflügel mit Laubengang und Arkaden geben der Anlage ein lebendiges, vielgestaltiges Erscheinungsbild.
Die Gastwirtschaft im Westflügel belebt das Ensemble bis heute. Die Schlosskirche St. Simon und Judas Thaddäus kann im Rahmen von Gottesdiensten oder besonderen Veranstaltungen besichtigt werden und ist ein Kleinod barocker Frömmigkeit in ländlicher Umgebung.
Das Dorf Holzgünz wird 1270 erstmals urkundlich erwähnt, seine Wurzeln reichen aber bis ins 10. Jahrhundert zurück. Im Mittelalter gehörte der Ort zur Freien Reichsstadt Memmingen und ging 1444 an die Kreuzherren des dortigen Oberhospitals über. Der Spitalmeister Balthasar Mayer ließ 1586 ein neues Schloss mit zugehöriger Kirche errichten, das den Ordensbrüdern als Sommeraufenthalt und Erholungsstätte diente.
Nach der Säkularisation von 1803 ging der Besitz 1809 an den Freiherrn von Spitzel über. In den folgenden Jahrzehnten änderte sich die Nutzung mehrfach: Das Schloss diente als Pfarrhof, als Sitz von Geistlichen, später als Schule, Brauerei und Krankenhaus. Während des Ersten Weltkriegs wurde es zum Gefangenenlager. Nach 1945 fanden hier Wohnungen und eine kleine Brauerei mit Wirtschaft Platz, die bis heute fortbesteht.
Das Bauensemble blieb in seiner Grundstruktur weitgehend erhalten und dokumentiert anschaulich die Verbindung von religiösem und bürgerlichem Leben über mehr als vier Jahrhunderte hinweg.
Schloss Holzgünz ist eine geschlossene Vierflügelanlage um einen rechteckigen Hof. Der dreigeschossige Ostflügel mit abgewalmtem Satteldach zeigt einen Erker über einer profilierten Konsole und einen Turm mit Zeltdach. Der zweigeschossige Südflügel besitzt eine Tordurchfahrt, die von Pilastern und einem Segmentgiebel gerahmt wird. Der Westflügel mit Walmdach ist durch einen Laubengang mit korbbogigen Arkaden geprägt und beherbergt heute eine Gastwirtschaft. Der Nordflügel wird vollständig von der Schlosskirche St. Simon und Judas Thaddäus eingenommen.
Diese Saalkirche mit Holzdecke stammt ebenfalls aus dem Jahr 1586. Besonders eindrucksvoll ist das Fresko des Jüngsten Gerichts am Chorbogen mit dem sogenannten „Roten Teufel“, einer Parallele zum „Grünen Teufel“ in der Memminger Martinskirche. Die prächtigen Hochbarockaltäre mit Gemälden und Holzfiguren machen die Kirche zu einem der bemerkenswertesten Sakralräume im Günztal.
Lage: Holzgünz, Landkreis Unterallgäu, Bayern
Koordinaten: nicht angegeben
Höhe: nicht angegeben
Datierung/Entstehung: 1586, erbaut durch Balthasar Mayer für die Memminger Kreuzherren
Schutzstatus: denkmalgeschützt
Eigentum/Nutzung: Privatbesitz, teils Wohnnutzung, Gastwirtschaft, Kirche im Nordflügel
Alternative Namen: Kreuzherrenschloss Holzgünz