Schloss Kirchheim

Schloss Kirchheim in Schwaben

Übersicht

Das Schloss Kirchheim in Schwaben ist ein Renaissanceschloss im Ort Kirchheim in Schwaben. Die Anlage wurde in den Jahren 1578 bis 1583 für Hans Fugger errichtet. Als Baumeister werden Jakob Eschay und Wendel Dietrich genannt. Seit der Errichtung befindet sich das Schloss im Besitz der Nachkommen Hans Fuggers und gehört bis heute zum Haus Fugger von der Lilie. Der Bau ist als Vierflügelanlage um einen Innenhof angelegt und steht in enger baulicher Verbindung mit der Schloss- und Pfarrkirche. Aufgrund formaler Parallelen zum spanischen Escorial wird das Schloss in den Quellen auch als „schwäbisches Escorial“ bezeichnet. Die Bedeutung der Anlage ergibt sich aus ihrer geschlossenen Renaissancearchitektur, der überlieferten Innenausstattung sowie aus ihrer Rolle als Stammsitz eines bedeutenden Zweigs der Familie Fugger.

Besuch und Eindruck

Das Schloss ist bis in die Gegenwart bewohnt und daher nicht allgemein zugänglich. Als einziger Bereich kann der Zedernsaal besichtigt werden. Der Zugang bezieht sich auf diesen Raum innerhalb der Schlossanlage. Öffnungszeiten und Eintritt sind vor einem Besuch zu prüfen. Der Zedernsaal bildet den zentralen Eindruck des Schlosses. Er erstreckt sich über zwei Geschosse und umfasst eine Fläche von 360 Quadratmetern. Die Raumwirkung wird wesentlich durch die reich gestaltete Kassettendecke bestimmt, die auf dunklem Zedernholz basiert. Neben Zedernholz sind zahlreiche weitere Holzarten verarbeitet. Die Decke ist tief reliefiert und mit ornamentalen Motiven versehen. In Wandnischen stehen zwölf überlebensgroße Terrakottafiguren. Ergänzt wird der Raumeindruck durch Portale aus Zedernholz, einen Kamin sowie Gemälde an den Seitenwänden. Hinweise auf Informationstafeln werden in den Quellen nicht genannt.

Geschichte

Im Jahr 1551 erwarb Anton Fugger die Herrschaft Kirchheim in Schwaben von der Familie von Hürnheim. Der Kaufpreis betrug 137.000 Gulden. Nach dem Tod Anton Fuggers im Jahr 1560 wurde die Herrschaft zunächst gemeinsam von seinen drei Söhnen verwaltet. Um Streitigkeiten zu vermeiden, fiel Kirchheim anschließend durch Losentscheid an Hans Fugger. In den Jahren 1578 bis 1582 wurde das Schloss unter der Leitung des Augsburger Stadtbaumeisters Jakob Eschay errichtet. Parallel dazu entstand von 1580 bis 1583 die Schloss- und Pfarrkirche. Am Bau und an der Ausstattung waren mehrere Künstler beteiligt, darunter Wendel Dietrich, Carlo Pallago und Hubert Gerhard.

Im Jahr 1585 wurde der Zedernsaal eingerichtet. Decke, Portale und Kamin wurden eingebaut, die Decke und die Portale stammen von Wendel Dietrich. Im Innenhof wurde 1590 eine Brunnenanlage mit einer Skulpturengruppe aufgestellt, die ursprünglich seit 1584 von Hubert Gerhard geschaffen worden war. Diese Skulpturengruppe wurde 1822 nach Augsburg verkauft und gelangte 1871 in das Bayerische Nationalmuseum. Weitere Brunnenfiguren waren bereits um 1800 eingeschmolzen worden.

Durch die Rheinbundakte ging die reichsunmittelbare Herrschaft Kirchheim im Jahr 1806 an Bayern über. In der Folge bestanden ein Fugger’sches Ortsgericht sowie von 1814 bis 1837 ein Fugger’sches Herrschaftsgericht. Eine wesentliche bauliche Veränderung erfolgte 1852 durch den Abbruch des Nordflügels und des nördlichen Westflügels, wodurch sich das Erscheinungsbild der Anlage veränderte. Nach dem Aussterben der Linie der Grafen Fugger von Kirchheim im Jahr 1878 fiel das Schloss an die Linie Fugger von Glött und wurde 1886 deren Stammsitz.

Anlage und Baugestalt

Das Schloss wurde als Vierflügelanlage um einen rechteckigen Innenhof errichtet. Die weiß gekalkten Außenwände und die Verbindung von Residenz und Kirche werden in den Quellen hervorgehoben. Die architektonische Gestaltung wird mit dem spanischen Escorial verglichen. Der bedeutendste Innenraum ist der Zedernsaal mit einer aufwendig geschnitzten Holzhängedecke. Die Kassettendecke gliedert sich in drei große vertiefte Felder und ist mit Rollwerk, Masken, Rosetten, geometrischen Formen, Blumen- und Fruchtmotiven sowie Fuggerlilien verziert. Die Decke wurde mit Eisenbändern am Dachstuhl befestigt. In den Wandnischen des Saales stehen zwölf Terrakottafiguren, sechs männliche und sechs weibliche Darstellungen historischer und biblischer Persönlichkeiten. Ergänzend sind Gemälde angebracht, die den vier mythologischen Zeitaltern der Antike zugeordnet werden.


Fakten

Lage: Kirchheim in Schwaben, Landkreis Unterallgäu, Bayern

Koordinaten: nicht bekannt

Höhe: nicht bekannt

Datierung/Entstehung: Schlossbau 1578 bis 1582 beziehungsweise 1578 bis 1583; Schloss- und Pfarrkirche 1580 bis 1583; Zedernsaal eingerichtet 1585

Schutzstatus: nicht bekannt

Eigentum/Nutzung: Besitz der Nachkommen von Hans Fugger; Familienlinie Fugger von Glött genannt; nicht allgemein öffentlich zugänglich, Zedernsaal besichtigbar

Alternative Namen: schwäbisches Escorial; Fuggerschloss Kirchheim in Schwaben

 
 
 

Optimiert für: Q U E R F O R M A T


Alle Bilder von Allgäubild