Schloss Neutrauchburg

Schloss Neutrauchburg

Übersicht

Am nördlichen Stadtrand von Isny erhebt sich das Schloss Neutrauchburg – ein stattlicher Barockbau mit Mansarddach, entstanden im späten 18. Jahrhundert auf dem Gelände einer älteren Burg. Errichtet als Verwaltungssitz der Linie Waldburg-Zeil-Trauchburg, zählt es zu den repräsentativsten Landschlössern der Region. Der Bau markiert den Übergang von mittelalterlicher Herrschaftsarchitektur zu barocker Wohnkultur und steht zugleich für die politische und wirtschaftliche Blütezeit der Waldburger im Allgäu.

Besuch und Eindruck

Das Schloss liegt auf einer kleinen Anhöhe nördlich von Isny und öffnet sich mit seiner Südfront dem weiten Blick auf die Stadt und die Alpenkette. Der helle, dreigeschossige Bau mit dem typischen Mansarddach und den feinen Putzgliederungen wirkt trotz seiner Größe harmonisch. Nach einer umfassenden Sanierung beherbergt das Schloss heute ein Hotel, ein Restaurant und Räume für Veranstaltungen. Der weitläufige Garten, alte Baumgruppen und ein Brunnen aus dem 19. Jahrhundert unterstreichen den repräsentativen Charakter des Ensembles. Der Innenhof und der Park sind frei zugänglich, das Gebäude selbst nur im Rahmen von Veranstaltungen oder Übernachtungen.

Geschichte

Der Ort Neutrauchburg war bereits im Mittelalter durch eine Burganlage besetzt, die bis 1788 den Namen Mechensee trug. Sie entstand wohl im 11. Jahrhundert, als Irmengard, Schwester des Grafen Manegold von Veringen, den Besitz an das Kloster Isny schenkte. Um 1306 gelangte das Areal an die Truchsessen von Waldburg, die im 15. Jahrhundert die niedere und hohe Gerichtsbarkeit erhielten und die umliegenden Dörfer ihrer Herrschaft unterstellten.

Graf Franz Anton von Waldburg-Zeil ließ zwischen 1776 und 1788 den Sitz neu errichten. Der Baumeister Johann Georg Specht, ein Schüler des barocken Kirchenbauers Johann Michael Fischer, entwarf den klar gegliederten, dreigeschossigen Verwaltungssitz mit Mansarddach. Für den Neubau wurden Steine der verfallenen Alt-Trauchburg wiederverwendet. Mit seiner Fertigstellung 1786 erhielt der Ort den neuen Namen Neutrauchburg.

Im 19. Jahrhundert nutzte die Familie Waldburg-Zeil-Trauchburg das Schloss als Wohn- und Witwensitz. Zwischen 1848 und 1856 bestand hier eine private Internatsschule unter Fürst Constantin. Nach wechselvoller Nutzung im 20. Jahrhundert wurde die Anlage 2008 umfassend saniert und in ein Hotel mit Gastronomie und Veranstaltungsräumen umgewandelt.

Anlage und Baugestalt

Das Schloss ist ein dreigeschossiger Rechteckbau mit Mansarddach, flankiert von niedrigeren Nebengebäuden. Die Fassade zeigt barocke Gliederungen, geputzte Lisenen und das steinerne Wappen der Waldburger an der Südseite. Spätbarocke Fassadenmalereien des Künstlers Härle aus Erolzheim sowie die originale Verglasung aus böhmischem Glas verleihen der Anlage ihren besonderen Reiz. Der Schlossgarten wurde im 19. Jahrhundert angelegt und später im Stil eines Landschaftsparks umgestaltet. Der Brunnen und mehrere Solitärbäume stammen noch aus dieser Zeit.


Fakten

Lage: Isny-Neutrauchburg, Landkreis Ravensburg, Baden-Württemberg

Koordinaten: nicht angegeben

Höhe: rund 730 m ü. NHN

Datierung/Entstehung: 1776–1788, Johann Georg Specht, Bauherr Graf Franz Anton von Waldburg-Zeil

Schutzstatus: denkmalgeschützt

Eigentum/Nutzung: Privatbesitz, Hotel, Restaurant, Veranstaltungsort

Besonderheit: Spätbarockes Schloss auf dem Areal der mittelalterlichen Burg Mechensee, Wiederverwendung von Steinen der Alt-Trauchburg

 
 
 

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