Schloss Syrgenstein, auch Sürgenstein genannt, erhebt sich auf einem Nagelfluhfelsen über dem Tal der Oberen Argen bei Heimenkirch. Es ist die einzige erhaltene Schlossburg im Landkreis Lindau und ein seltenes Beispiel für die Verbindung einer spätgotischen Wehranlage mit barocker Wohnarchitektur. Die Ursprünge der Anlage reichen bis in das 13. Jahrhundert zurück; der heutige Bau wurde nach einem Brand 1496 von Veit Sürg errichtet. Das Schloss liegt landschaftlich markant am Nordrand des Gemeindegebiets von Heimenkirch, kirchlich gehört es zu Maria-Thann, postalisch zu Argenbühl. Bis heute ist es bewohnt und befindet sich im Besitz der Familie Waldburg-Zeil-Hohenems.
Das Schloss ist in Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich. Von außen ist es jedoch aus dem Argental und von Eglofs aus gut zu sehen, wo es sich auf einem steilen Felssporn erhebt. Der fünfeckige Grundriss folgt der Form des Felsens, auf dem die Hangburg errichtet wurde. Der Zugang führt über eine schmale Auffahrt am Westhang.
Der Bau vermittelt mit seinen massiven Mauern und Ecktürmen den Eindruck einer spätmittelalterlichen Wehrburg, zeigt aber zugleich die Eleganz einer barocken Schlossresidenz. Eine Besonderheit bildet die Schlosskapelle Sankt Veit, die in das Obergeschoss integriert ist. Im Inneren bewahrt das Schloss wertvolle Holzvertäfelungen, Stuckdecken und Wandmalereien. Da es vom Eigentümer bewohnt wird, kann es nicht besichtigt werden.
Die Vorgängerburg wird 1265 erstmals erwähnt und war Sitz der Herren von Sürg, eines ritterlichen Geschlechts im Dienst des Fürststifts Kempten. Angehörige der Familie wirkten als Feldherren, Weihbischöfe und Mitglieder der Ritterschaft des Georgenschildes. Sie besaßen zeitweise auch die Burgen Ratzenried, Amtzell und Achberg.
Veit Sürg, durch Heirat mit Ursula Humpis wohlhabend geworden, erwarb um 1480 den verfallenen Besitz Syrgenstein zurück und ließ zwischen 1491 und 1496 das Schloss neu errichten. Sein Sohn Hans Ulrich führte den Ausbau fort und richtete das bis heute erhaltene Bibliothekszimmer ein. In den folgenden Jahrhunderten blieb die Familie Sürg in wechselnden Linien Eigentümerin der Herrschaft. 1647 erhob Kaiser Ferdinand III. die Familie in den Reichsfreiherrenstand.
Nach dem Aussterben der Hauptlinie ging der Besitz im 18. Jahrhundert an die Linie Syrgenstein-Altenberg über. 1824 musste Caroline von Syrgenstein das verschuldete Anwesen veräußern. In den folgenden Jahrzehnten wechselten die Eigentümer häufig: unter anderem gehörte das Schloss dem königlichen Salzfaktor Josef Schmied, später dem Iren James Whittle, der bauliche Sicherungen vornahm und einen kleinen Friedhof anlegen ließ.
1882 kaufte Sophie Gräfin von Waldburg-Zeil-Wurzach das Anwesen. Mit ihrem Ehemann Karl Graf von Waldburg-Zeil entstand die Linie Waldburg-Syrgenstein, später überging der Besitz an die österreichische Linie Waldburg-Zeil-Hohenems. Seit 1913 befindet sich das Schloss ununterbrochen in deren Familienbesitz.
Schloss Syrgenstein zeigt die typische Form einer spätgotischen Hangburg mit polygonalem Grundriss, die später zum wohnlichen Schloss umgestaltet wurde. Der Bau folgt dem Verlauf des Felsens, auf dem er steht. Die Außenmauern bestehen aus unregelmäßigem Bruchstein, die oberen Geschosse aus verputztem Mauerwerk. Vier unterschiedlich hohe Türme fassen die Ecken.
Besonders bemerkenswert ist die Schlosskapelle St. Veit im ersten Stock, deren kleiner Chor in den Nordostturm eingebaut ist. Das Kreuzgratgewölbe zeigt einen Schlussstein mit dem Wappen der Sürg. Zur Ausstattung gehören ein frühbarocker Altar, eine Figur des heiligen Veit im Kessel und eine gotische Marienstatue.
Das Bibliothekszimmer mit Holzvertäfelung und Intarsien von 1539 gilt als eines der schönsten Beispiele der Frührenaissance im Landkreis Lindau. Im Rokokosalon von 1739 sind Stuckarbeiten und Deckenmalereien von Franz Joseph Spiegler erhalten, das Treppenhaus zeigt ein Deckengemälde von Anton Anselmus Hege („Das Urteil Salomons“, 1741). Diese Innenräume belegen die kontinuierliche Weiterentwicklung der Anlage über mehrere Epochen hinweg.
Lage: Syrgenstein bei Heimenkirch, Landkreis Lindau (Bodensee), Bayern
Koordinaten:
47° 39′ 29,2″ N, 9° 55′ 9,8″ O
Höhe: nicht angegeben
Datierung/Entstehung: Neubau 1496 nach Brand; Vorgängerburg 13. Jahrhundert
Schutzstatus: denkmalgeschützt
Eigentum/Nutzung: Privatbesitz (Familie Waldburg-Zeil-Hohenems), bewohnt, nicht öffentlich zugänglich
Alternative Namen: Sürgenstein, Sirgenstein