Schloss Bad Wurzach

Schloss Wurzach

Übersicht

Das Schloss Bad Wurzach, Wahrzeichen der oberschwäbischen Stadt im Landkreis Ravensburg, ist ein bedeutendes Kulturdenkmal und zählt zu den markantesten Barockanlagen der Region. Seine heutige Gestalt erhielt es zwischen 1723 und 1728 unter Graf Ernst Jakob Truchsess von Waldburg‑Zeil‑Wurzach. Das Bauwerk erhebt sich auf dem Gelände einer älteren Burg, deren Fundamente und Kapelle in die neue Anlage integriert wurden. Besonders bekannt ist das Barocktreppenhaus, das als Meisterwerk süddeutscher Baukunst des 18. Jahrhunderts gilt und 2009 von der Denkmalstiftung Baden‑Württemberg als „Denkmal des Monats“ ausgezeichnet wurde. Über Jahrhunderte diente das Schloss als Residenz der Linie Waldburg‑Zeil‑Wurzach, später als Bildungs‑, Schul‑ und Gedenkort mit wechselvoller Geschichte.

Besuch und Eindruck

Das Schloss öffnet sich hufeisenförmig mit drei Flügeln zur Stadtseite. Vom Stadtzentrum Bad Wurzach führt ein kurzer Weg durch den Schlosspark bis zur Hauptfassade mit Marienbrunnen. Bereits von außen zeigt sich die klare Gliederung der Barockarchitektur mit der präzisen Symmetrie des Mittelflügels und den beiden Seitenflügeln.

Im Inneren bildet das Treppenhaus das architektonische Zentrum. Die dreiläufige Sandsteintreppe schwingt um einen Dreipass‑Kern nach oben. Durch perspektivisch gestaltete Architekturmalerei und gefasste Holzteile entsteht der Eindruck echter Marmor‑ und Alabasterelemente. Das Deckenfresko zeigt den olympischen Götterhimmel. Die Anlage gilt als Höhepunkt des oberschwäbischen Barock. Während des Zweiten Weltkrieges nutzten britische Internierte diesen Raum als Treffpunkt und gaben ihm den Namen „Marble Arch“.

Die im Ostflügel gelegene Schlosskapelle, bereits 1422 urkundlich erwähnt, war der älteste Teil der Vorgängerburg. Nach Renovierungen um 1708 und 1996 erscheint sie heute in schlichter barocker Form mit heller Raumwirkung. Der angrenzende Park erstreckt sich hinter dem Schloss über die Flächen des ehemaligen Internierungslagers und verweist damit auf den prägenden historischen Abschnitt der 1940er Jahre.

Geschichte

Die Ursprünge der Anlage liegen im 15. Jahrhundert, als die damalige Burg Wurzach mit einer Kapelle ausgestattet wurde. Das sogenannte Alte Schloss war bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts Wohnsitz der Grafen von Waldburg‑Zeil‑Wurzach. 1692 entstand das Rentamt, heute Teil des östlichen Flügels. Zwischen 1723 und 1728 ließ Graf Ernst Jakob Truchsess von Waldburg‑Zeil den Neubau auf den alten Fundamenten errichten und das Alte Schloss integrieren. Das Treppenhaus entstand 1728 als repräsentativer Mittelpunkt. Über zwei Jahrhunderte war das Schloss Residenz der Wurzacher Linie des Adelsgeschlechts und ein Zentrum höfischer Kultur.

Nach dem Ersten Weltkrieg verkaufte die Familie das Gebäude 1922 an den Orden der Salvatorianer, der hier eine Lateinschule mit Internat gründete. Der Unterricht begann 1924 und wurde 1937 durch nationalsozialistische Bildungsvorgaben beendet. Im Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude zunächst als Kriegsgefangenenlager für französische Offiziere (Oflag V‑C und V‑D) und später als Internierungslager für mehr als 600 Zivilisten von den britischen Kanalinseln Jersey und Guernsey. Gegen Kriegsende wurden im Winter 1944 bis 1945 etwa 70 jüdische Häftlinge aus dem Konzentrationslager Bergen‑Belsen in Wurzach untergebracht und hier befreit.

Nach 1945 nahmen die Salvatorianer den Schulbetrieb wieder auf. In den 1950er Jahren folgten Bauerweiterungen an Kapelle und Ostflügel. Ein Teil des Westflügels wurde 1993 abgebrochen und nach alten Plänen 1994 vollendet. Mit der Gründung der Stiftung Kulturdenkmal Schloss Bad Wurzach im Jahr 2004 begann eine neue Phase des Erhalts und der öffentlichen Nutzung, die nach Auflösung der Stiftung 2017 kommunal fortgeführt wurde.

Die Ereignisse der Kriegsjahre wurden durch die Forschung von Gisela Rothenhäusler aufgearbeitet und dokumentiert. Als Zeichen der Versöhnung entstand 2002 eine Städtepartnerschaft zwischen Bad Wurzach und St. Helier auf Jersey. Eine Gedenktafel im Vorhof erinnert an die Internierten und an die Rolle des Schlosses im nationalsozialistischen Lagersystem.

Anlage und Baugestalt

Das Schloss ist eine dreiflügelige, hufeisenförmig zur Stadt geöffnete Anlage, die den Innenhof rahmt. Der Mitteltrakt wird vom monumentalen Treppenhaus beherrscht, dessen aufsteigende Sandsteinwangen durch geschwungene Läufe verbunden sind. Eine Kulissenarchitektur mit gemalter Raumtiefenwirkung erzeugt eine scheinbare Vergrößerung des Raums. Das Deckenfresko mit seiner Darstellung antiker Götterfiguren verleiht dem Treppenhaus seinen repräsentativen Charakter.

Im rechten Flügel befindet sich die Schlosskapelle mit dem Chorfenster von Clemens Hillebrand. Die hell gestaltete Kapelle verdeutlicht die Einfügung barocker Gestaltung in das Gesamtgefüge. Im Westflügel liegen seniorengerechte Wohnungen mit Anschluss an das Pflegeheim Stift zum heiligen Geist. Der östliche Trakt beherbergt das Institut für soziale Berufe sowie das Gymnasium Salvatorkolleg. Das Treppenhaus wird vom Standesamt Bad Wurzach genutzt und bildet den Rahmen für Konzerte, Tagungen und kulturelle Veranstaltungen.


Fakten

Lage: Bad Wurzach / Landkreis Ravensburg / Baden‑Württemberg

Koordinaten: nicht angegeben

Höhe: keine Angabe

Datierung/Entstehung: 1422 als Burg erwähnt, Neubau 1723 bis 1728

Schutzstatus: Kulturdenkmal des Landes Baden‑Württemberg

Eigentum/Nutzung: Städtisches Eigentum, Bildungs‑ und Wohnnutzung, öffentliche Veranstaltungen

Alternative Namen: Schloss Wurzach, Wurzacher Schloss

 
 
 

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