Das Untere Schloss, im Ort auch „Schlößle“ genannt, ist ein historisches Schloss im bayerischen Kurort Bad Grönenbach im Landkreis Unterallgäu. Es liegt auf einer Höhe von 718 Metern und befindet sich in Privatbesitz. Der Bau geht auf das 16. Jahrhundert zurück und steht in engem Zusammenhang mit dem Geschlecht derer von Pappenheim, die in der Region lange Zeit eine prägende Rolle spielten. Das Gebäude ist ein Zeugnis adliger Wohnkultur der Spätrenaissance und gehört zu den markanten historischen Bauwerken im Ortskern von Bad Grönenbach. Seine Lage am Übergang zur Bahnhofstraße und sein gepflegter Garten verleihen ihm bis heute einen charakteristischen Akzent im Ortsbild.
Das Schloss liegt zentral in Bad Grönenbach und ist von der Bahnhofstraße aus zu sehen. Es steht in einem kleinen Garten, dessen Ostseite an alte Bauernhäuser grenzt. Der Zugang erfolgt von der Straße, ein öffentlicher Rundgang durch das Gebäude ist nicht möglich, da es sich um Privatbesitz handelt. Die Eingangsfront zeigt eine steinerne Tafel mit einer Inschrift und den Wappen der Familien Pappenheim und Roth (auch Rodt genannt). Diese kunstvolle Tafel erinnert an den Bau des Schlosses im Jahr 1563 durch die Brüder Konrad, Wolfgang, Christoph und Philipp von Pappenheim.
Das Umfeld des Schlosses ist von alten Handwerkshäusern geprägt, darunter der ehemalige „Heiligenspeicher“, ein Gebäude, das einst zur Lagerung von Naturalabgaben an die Stiftskirche diente. Unweit des Schlosses verläuft die Sonnenstraße mit einem auffälligen Brunnen, der durch die Ur-Ach gespeist wird. Das Ensemble aus Schloss, historischen Häusern und Wasserlauf vermittelt einen stimmigen Eindruck der gewachsenen Ortsstruktur. Für Besucher, die sich für Geschichte und Architektur interessieren, ist das Schlössle ein stilles, aber anschauliches Beispiel für die Verbindung von Adelssitz und ländlicher Ortsgeschichte. Öffnungszeiten und Eintritt sollten gegebenenfalls vor einem Besuch geprüft werden.
Das Untere Schloss wurde 1563 von den vier Brüdern Konrad, Wolfgang, Christoph und Philipp von Pappenheim errichtet. Es war ursprünglich als Witwensitz innerhalb der Familie gedacht. Nach dem Tod Philipp von Pappenheims im Jahr 1619 lebte seine Witwe Anna von Winneberg dort weiter. Sie ließ trotz der beginnenden Gegenreformation bis 1626 reformierte Predigten und Bibelstunden im Schloss abhalten.
Im 17. Jahrhundert diente das Gebäude Beamten des Hauses Pappenheim als Wohnsitz. 1692 bis 1695 gelangte das Schloss in den Besitz des Fürststifts Kempten, das es fortan für seine Beamten nutzte. Mit der Säkularisation von 1803 ging es an den bayerischen Staat über und wurde anschließend an den Bauern und Gutsbesitzer Josef Spatz verkauft. Seither befindet sich das Untere Schloss in Privatbesitz und wechselte mehrfach den Eigentümer.
Über dem Eingang ist eine Inschrift mit Nennung der Bauherren erhalten. Sie nennt die vier Brüder von Pappenheim als Erbauer und bittet um göttlichen Schutz vor Unglück. Diese Tafel dokumentiert zugleich den familiären und sozialen Hintergrund des Baus, der aus der Tradition der Reichserbmarschälle von Pappenheim hervorging und die enge Verbindung zur Region Bad Grönenbach bezeugt.
Das Untere Schloss ist ein zweigeschossiger Bau der Spätrenaissance mit steilen Giebeln und einer klar gegliederten Fassade. Die Hauptansicht zeigt den repräsentativen Eingang mit der Steinplatte, auf der die Wappen der Familien Pappenheim und Roth dargestellt sind. Der Baukörper ist kompakt, was seiner Funktion als Wohnsitz für eine adelige Familie entsprach.
Das verwendete Baumaterial ist verputztes Mauerwerk mit Werksteinelementen an den Öffnungen und der Tafel. Der Innenhof ist nicht zugänglich, doch der äußere Eindruck lässt auf eine Anlage schließen, die zwischen Wehrhaftigkeit und Wohnkomfort vermittelt. Der angrenzende Garten und die Einbindung in den Ortskern lassen erkennen, dass das Schloss stets Teil der dörflich-städtischen Struktur war. Trotz mehrfacher Eigentümerwechsel blieb das Gebäude im Wesentlichen erhalten und ist bis heute ein Beispiel für den Übergang von der Wehrburg zur adligen Residenz in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.
Lage: Bad Grönenbach, Landkreis Unterallgäu, Bayern
Höhe: 718 m ü. NN
Datierung/Entstehung: 1563
Schutzstatus: Baudenkmal (laut Denkmalliste, falls in Quelle genannt; nicht explizit belegt)
Eigentum/Nutzung: Privatbesitz
Alternative Namen: Schlößle, Unteres Schloss