Wiggensbach liegt nur wenige Kilometer westlich von Kempten, auf einer Höhenlage zwischen 750 und über 1000 Metern. Die Gemeinde ist geprägt von sanften Hügeln, kleinen Weilern und weiten Blicken bis zu den Alpen. Mit 75 Gemeindeteilen ist Wiggensbach eine der vielfältigsten Marktgemeinden des Oberallgäus. Als staatlich anerkannter Erholungsort verbindet sie Landschaftsruhe, lebendige Kultur und ein gut ausgestattetes Alltagsleben.
Das Freizeitangebot reicht von Natur- und Sporterlebnissen bis zu kulturellen Höhepunkten. Im Sommer zieht das Wandern durch Wälder und über Höhen an, 73 Kilometer markierte Wege stehen zur Verfügung. Radfahrer und Mountainbiker nutzen eigene Strecken, darunter den Bikepark. Im Winter bieten Loipen, Schneeschuhtrails und stille Wege ideale Bedingungen, ergänzt durch ein Hallen- und Freibad für ganzjährigen Badespaß. Golfer finden hier den höchstgelegenen Golfplatz Deutschlands mit Panoramablick über die Alpen, dazu kommen Tennisanlagen und Möglichkeiten für Nordic Walking.
Kulturell zeigt sich Wiggensbach vielfältig. Das Heimatmuseum bewahrt Zeugnisse der regionalen Geschichte, das Informationszentrum präsentiert wechselnde Ausstellungen. Eine besondere Attraktion ist die Bioschaukäserei, die Käseproduktion erlebbar macht und in der Tradition der einstigen Hauskäsereien steht. Wochenmarkt und Gastronomie bieten regionale Produkte, von Alpkäse bis zur Allgäuer Küche.
Das Vereinsleben ist stark ausgeprägt. Mehr als 55 Vereine prägen den Ort, vom Trachtenverein bis zu den Alphornbläsern, vom Sportclub bis zu den Fotofreunden. Veranstaltungen, Bauerntheater und Dorffeste sorgen für Begegnung und Tradition. Für Einheimische wie Gäste bietet Wiggensbach eine hohe Lebensqualität: Infrastruktur mit Schulen, Kindergärten, Einkaufsmöglichkeiten und einer aktiven Dorfgemeinschaft machen den Markt zu einem attraktiven Wohn- und Ferienort.
Die Geschichte Wiggensbachs reicht tief zurück. Ein bedeutender Hinweis ist der Wiggensbacher Schatz, 1888 von einem Bauernbub entdeckt. Münzen und Schmuckstücke datieren ins 1.–3. Jahrhundert und wurden vermutlich beim Alemanneneinfall 233 n. Chr. vergraben – ein Beweis, dass hier schon in römischer Zeit Menschen siedelten.
Die erste gesicherte Erwähnung stammt von 1182, als Wiggensbach als „Witingisbach“ in der Isnyer Klosterchronik genannt wird. Noch älter ist der Gemeindeteil Ermengerst, dessen Burg bereits 1037 belegt ist und dessen Kirche als früher Taufkirchort gilt. Im Spätmittelalter bestanden mehrere Burgen, darunter die Veste Suseck, die 1525 im Bauernkrieg zerstört wurde.
Das Dorf stand seit 1508 unter der Herrschaft des Fürststifts Kempten. Die Zugehörigkeit zeigt sich auch im Wappen, das die Burg Suseck darstellt, flankiert von den Farben des Stifts.
Schwere Schicksalsschläge prägten das 17. Jahrhundert. Die Pest von 1628 raffte 820 Menschen dahin – mehr als die Hälfte der Einwohner. Bis 1635 forderten weitere Seuchenzüge Opfer. Im DreißigjährigenKrieg litt die Gemeinde unter Durchzügen, Plünderungen und Abgaben. 1634 wurde der Markt des Stifts zeitweise nach Wiggensbach verlegt, 1670 der Wochenmarkt hier erneut abgehalten.
Kirchlich entwickelte sich Wiggensbach um die Pfarrkirche Sankt Pankratius, die nach Bränden im 18. Jahrhundert von Johann Georg Specht im Rokokostil neu gestaltet wurde. Fresken von Franz Joseph Hermann und kunstvolle Altäre prägen den Innenraum. In Ermengerst entstand im späten 15. Jahrhundert die Johannes-der-Täufer-Kirche, später barock erweitert.
Frühe Vereinödungen begannen schon 1555 in Eckartsberg, um Brände durch enge Bebauung zu vermeiden. Ab dem 18. Jahrhundert folgten weitere Aufteilungen, die die heutige Siedlungsstruktur mit vielen Weilern prägen.
Mit der Säkularisation 1803 fiel Wiggensbach von der Herrschaft des Fürststifts an Bayern. Das Gemeindeedikt 1818 machte den Ort zur eigenständigen Gemeinde. Im 19. Jahrhundert lebten die Menschen von Landwirtschaft, vor allem der Milchwirtschaft: 1851 bestanden 28 Hauskäsereien.
Die Moderne zog früh ein: 1868 entstand die Freiwillige Feuerwehr, 1883 eine Poststelle, 1909 das Isny-Bähnle mit Halt in Ermengerst – die höchstgelegene Normalspurbahn Deutschlands. Zugleich wurde 1909 die erste Telefonleitung im Bezirk Schwaben eingerichtet.
Im 20. Jahrhundert wuchs Wiggensbach stark. 1951 erhielt der Ort das Marktrecht. Ab den 1960er-Jahren erfolgten Schulreformen, 1971 die Anerkennung als staatlich anerkannter Erholungsort. Mit Dorferneuerung, Neubauten von Rathaus, Schwimmbad und Sportanlagen sowie Renovierungen der Kirchen entwickelte sich der Markt stetig weiter.
Heute blickt Wiggensbach auf eine Geschichte von Seuchen, Kriegen und Wiederaufbau zurück – und präsentiert sich zugleich als traditionsreiche, moderne Marktgemeinde, die Kultur, Natur und Infrastruktur vereint.
Markt Wiggensbach
Marktplatz 3
87487 Wiggensbach
Tel.: 08370 / 9200-0
Fax: 08370 / 8242
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