Unterallgäuer Orte - Übersicht

 
 
 
Frühlingserwachen in Pleß

Pleß

 
 

Die Gemeinde Pleß liegt im nördlichen Unterallgäu an der Iller, unmittelbar an der Grenze zu Baden-Württemberg und zum Landkreis Neu-Ulm. Die Stadt Memmingen, das Autobahnkreuz A7 / A96 sowie der Allgäu-Airport Memmingen sind in kurzer Entfernung erreichbar. Trotz der überschaubaren Größe verfügt Pleß über eine gute Infrastruktur mit Kindergarten, Dorfladen und weiteren Einrichtungen des täglichen Bedarfs.

Das Ortsbild wird von mehreren markanten Bauwerken geprägt. Die Pfarrkirche, wegen ihrer Größe und Ausstrahlung auch „Dom des Illertales“ genannt, ist weithin sichtbar. Hinzu kommen die Wallfahrtskapelle „Zum Heiligen Kreuz“ sowie der historische Zehentstadel als Zeugnis der bäuerlich geprägten Vergangenheit.

Eine besondere Auszeichnung erhielt Pleß im Oktober 2016: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ernannte die Gemeinde zum Bioenergiedorf. Damit gehört Pleß zu den Kommunen, die mindestens die Hälfte ihres Energiebedarfes aus vor Ort erzeugter Bioenergie decken. Träger dieses Projektes ist die Nahwärmeversorgung Pleß e.G., eine von Bürgern gegründete Genossenschaft. Zahlreiche Gebäude sind inzwischen an das Nahwärmenetz angeschlossen. Die regionale Energieerzeugung stärkt die örtliche Wertschöpfung und leistet einen spürbaren Beitrag zum Klimaschutz.

Naturräumlich ist Pleß durch die Illerlandschaft geprägt. Im Westen erstrecken sich entlang des Flusses Auwald und Illergries, einst Überschwemmungsgebiet des unregulierten Stroms. Heute stehen diese Bereiche unter Landschafts- und Naturschutz und bewahren den Charakter der Flussauen. Im nordöstlichen Teil der Gemarkung liegt das rund 400 Hektar große Ried, eine aus der Eiszeit hervorgegangene Niedermoorlandschaft. Das ehemalige Sumpfgebiet wurde im Lauf der Zeit entwässert und landwirtschaftlich genutzt. Ein Wasser- und Bodenverband sorgt bis heute für die Pflege der Entwässerungsanlagen.

Mit Iller, Auwald, Ried und der Memminger Ach vereint Pleß landschaftliche Vielfalt mit moderner Energieversorgung und gewachsener Dorfstruktur – eine Gemeinde zwischen Naturraum und nachhaltiger Entwicklung.

Ortsansicht von Pleß
Schöne Feldkapelle in Pleß
 

Die Ortsform und der Name deuten auf eine frühe, dörfliche Siedlung im Illertal; kirchliche Bindungen zum Stift Kempten sind durch die Patrozinien der Pfarrkirche erkennbar. Mittelalterliche Grundherrschaft lag unter anderem beim Unterhospital von Memmingen, das seit dem Mittelalter im Gemeindegebiet begütert war. 1542 erwarb es die Herrschaft Pleß, veräußerte sie jedoch 1547 an Anton Fugger. 1719 ging Pleß an die Kartause Buxheim über – ein Wechsel, der die religiöse Prägung des Ortes bis ins 18. Jahrhundert vertiefte.

Die Wallfahrtskirche Zum Heiligen Kreuz entstand 1665 auf freier Flur zwischen Pleß und Fellheim; sie knüpft an eine Kreuzverehrung an, die der Landschaft einen geistlichen Schwerpunkt gab. Die Pfarrkirche Sankt Gordian und Epimach wurde 1765 im Auftrag der Reichskartause Buxheim neu gebaut und 1767 geweiht; der barocke Neubau ersetzte eine ältere Kirche, deren Fundamente im feuchten Illergrund als gefährdet galten. Ausstattung, Stuck und Fresken zeugen vom Anspruch der Bauherren, das dörfliche Zentrum liturgisch und künstlerisch aufzuwerten.

Kriege und Katastrophen setzten dem Illertal immer wieder zu. Für die Jahre 1632 und 1646 sind Truppendurchzüge und Belastungen im Dreißigjährigen Krieg regional belegt; konkrete Schadensangaben nur für Pleß sind in den einschlägigen Ortsangaben nicht ausgewiesen. Überschwemmungen der Iller prägten das Risiko am Talboden seit jeher – die Erwähnung unterspülter Kirchenfundamente verweist auf diese dauerhafte Herausforderung. Großbrände, Pestzüge oder Hungersnöte werden für Pleß in den verfügbaren Gemeindedaten nicht einzeln aufgelistet.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 kam Pleß zu Bayern. Verwaltung und Gerichtsbarkeit gingen in der Folge in die bayerischen Strukturen über; aus der klösterlichen Prägung wurde eine kommunale. Das 19. Jahrhundert sah die Verstetigung dörflicher Selbstverwaltung und den Ausbau der Schule. Landwirtschaft blieb Leitökonomie; im 20. Jahrhundert verschob sich die Erwerbsstruktur schrittweise durch Pendeln und Gewerbe. Die Bahnlinie Neu-Ulm–Kempten verläuft östlich am Ort vorbei; der Haltepunkt in Pleß wurde eingestellt. Straße und Radweg blieben die tragfähigen Anbindungen, der Iller-Radweg vernetzte den Ort touristisch neu.

In der Gemeindekultur hielten sich religiöse Traditionen und Vereinswesen die Waage: Prozessionen und Wallfahrtszüge zum Heiligen Kreuz auf der Gemarkung, Musikkapelle und Feuerwehr als Träger des Zusammenlebens. Die Gastgebertradition entwickelte sich aus Wirtshaus- und Beherbergungskultur an der Verkehrsachse Illertal: Gasthöfe und Pensionen vor Ort, Ferienwohnungen und Gästehäuser in dörflichen Lagen, ergänzt um Bauernhöfe mit Urlaub auf dem Land.

Vereinödung: Eine datierte Vereinödung mit benennbaren Folgen ist für Pleß nicht belegt.
Markt-/Gerichtsrechte: Eigenes Marktrecht ist nicht überliefert; bayerische Lehensrechte am Dorfgericht zu Pleß werden im historischen Wappenbezug genannt.
Bayern ab 1803/06: Übergang an Bayern 1803; kommunale Ordnung, Schule und Infrastruktur ausgebaut; agrarisch geprägte Ökonomie, später stärkere Pendlerstrukturen; touristische Vernetzung über den Iller-Radweg.

Kontakt

Gemeinde Pleß
Kirchstraße 4
87773 Pleß

Tel.: 08335 / 280
Fax: 08335 / 908110
E-Mail: pless@vg-boos.de 

Besonderheiten

  • Bioenergiedorf
  • 400 ha große Ried
  • Auwald
  • Illergries
  • Wandern
  • Radfahren
  • Schwimmen
  • Langlauf
  • Schneeschuhwandern
  • Einkaufsmöglichkeit
  • Gastronomie