Die Annakapelle im ehemaligen Benediktinerkloster Sankt Mang in Füssen zählt zu den kulturgeschichtlich bedeutendsten Kapellen der Stadt. Ihr Ursprung reicht bis ins 9. Jahrhundert zurück, als an dieser Stelle die erste Klosterkirche der Abtei Sankt Mang entstand. Später diente der Raum unter anderem als Grablege für Angehörige der Familie Freyberg-Eisenberg.
Berühmt ist die Kapelle vor allem für den Füssener Totentanz. Abt Matthias Schober beauftragte 1602 den Füssener Maler Jakob Hiebeler mit dem monumentalen Bilderzyklus. Er ist der älteste erhaltene Totentanz Bayerns und gehört zu den bedeutenden Totentanzdarstellungen Europas.
Die zwanzig Darstellungen verteilen sich auf zehn Holztafeln und führen Menschen unterschiedlichster gesellschaftlicher Stellung vor Augen, dass niemand dem Tod entgeht. Papst und Kaiser, Geistliche, Adel, Bürger, Bauer, Kind und schließlich der Maler selbst werden in den Tanz einbezogen. Damit verbindet der Zyklus kunsthistorische Bedeutung mit einem eindringlichen Zeugnis frühneuzeitlicher Glaubens- und Vorstellungswelt.
Die Ursprünge der Annakapelle werden in das 9. Jahrhundert zurückgeführt. Sie entstand als erste Klosterkirche der Abtei Sankt Mang und wurde später in den wachsenden Klosterkomplex einbezogen. Gotische Spuren und spätere Veränderungen dokumentieren die lange Nutzungsgeschichte.
Im Zuge der barocken Umgestaltung des Klosters zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde auch die Kapelle verändert. Der Totentanz befindet sich seit dieser Zeit an der Westwand. Heute gehört die Annakapelle zum Museum der Stadt Füssen.
Neben dem Totentanz bewahrt die Kapelle zahlreiche Epitaphien und Totenschilde aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Sie erinnern an ihre Funktion als Begräbnis- und Gedächtnisort für Äbte und Angehörige des regionalen Adels.
Zu den weiteren bedeutenden Werken gehört eine spätgotische Skulptur der Anna selbdritt. Die Verbindung von Grabdenkmälern, Totentanz und Heiligendarstellung prägt den besonderen Charakter des Raumes.
Der Totentanz ist nicht nur wegen seines Alters bemerkenswert. Seine Figurenfolge bildet die gesellschaftliche Ordnung der Entstehungszeit ab und hebt sie zugleich auf, weil vor dem Tod alle Stände gleich sind. Die heutige Reihenfolge wurde durch die Umhängung der Tafeln im Zuge der Barockisierung des Klosters verändert. Die Kapelle bewahrt daneben mittelalterliche Grabdenkmäler sowie zahlreiche Zeugnisse ihrer späteren Nutzung als Totenkapelle.
Jakob Hiebeler vollendete den Totentanz 1602. Der Zyklus umfasst zwanzig Szenen auf zehn Holztafeln. Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Stände werden jeweils vom Tod zum letzten Tanz aufgefordert. Papst und Kaiser stehen ebenso unter seiner Gewalt wie Geistliche, Bürger, Bauer, Kind und der Maler selbst.
Das Werk entstand im Zusammenhang mit einer Restaurierung der Kapelle unter Abt Matthias Schober. Es gehört heute zu den wichtigsten erhaltenen Monumental-Totentänzen im deutschen Sprachraum.
Name: Annakapelle
Ort: Füssen
Adresse: Lechhalde 3
87629 Füssen
Kirchentyp: ehemalige Klosterkapelle
Besonderheiten: Füssener Totentanz von 1602 • Jakob Hiebeler • Anna selbdritt • Epitaphien und Totenschilde
Internetseite: Weitere Informationen
Ursprung: erste Klosterkirche der Abtei Sankt Mang, 9. Jahrhundert
Spätere Funktion: Totenkapelle und Grablege, unter anderem für die Familie Freyberg-Eisenberg
Hauptwerk: Füssener Totentanz von Jakob Hiebeler, vollendet 1602
Umfang: 20 Szenen auf zehn Holztafeln
Weitere Ausstattung: spätgotische Anna selbdritt • Epitaphien • Totenschilde des 16. und 17. Jahrhunderts
Heute: Teil des Museums der Stadt Füssen im ehemaligen Kloster Sankt Mang
Die Annakapelle geht auf die frühe Geschichte des Benediktinerklosters Sankt Mang zurück. Im 9. Jahrhundert befand sich hier die erste Klosterkirche. Mit dem Ausbau der Abtei änderte sich ihre Funktion; später wurde die Kapelle besonders als Begräbnisstätte und Gedächtnisort genutzt.
Um 1600 ließ Abt Matthias Schober den Raum restaurieren. 1602 erhielt Jakob Hiebeler den Auftrag für den Füssener Totentanz. Der Bilderzyklus verband die traditionelle Mahnung an die Vergänglichkeit mit einer Darstellung der damaligen gesellschaftlichen Ordnung.
Während der barocken Erneuerung des Klosters wurde die Kapelle erneut verändert und der Totentanz umgehängt. Nach der Säkularisation blieb der Raum Teil der ehemaligen Klosteranlage. Heute ist die Annakapelle in das Museum der Stadt Füssen einbezogen.
Annakapelle • Füssen • Ostallgäu • Kloster Sankt Mang • 9. Jahrhundert • Füssener Totentanz • 1602 • Jakob Hiebeler • Abt Matthias Schober • zwanzig Totentanzszenen • Anna selbdritt • Epitaphien • Totenschilde • Museum der Stadt Füssen