Römer im Allgäu

Auf den Spuren der Römer

Römischer Straßenbau schafft stabile Lage

Augustus
(63 v. Chr. – 14 n. Chr.)
erster römische Kaiser

Man mag von den kulturellen Errungenschaften der Römer halten was man will, aber womit sie unsere Welt wirklich nachhaltig verändert haben, das war der Straßenbau. Tatsächlich eine wahre Meisterleistung antiker Ingenieurs- und Handwerkskunst…

Nicht nur für schnelle und wohlgeordnete Truppenbewegungen ist ein gut ausgebautes Straßennetz von großem Vorteil, auch der Handel gedeiht, wo Waren effizient und vor allem sicher transportiert werden können. Römische Meilensteine sorgten dabei für die Orientierung. 

Die Römerstraße Via Claudia Augusta führte von der Adria bis nach Augsburg und ist mancherorts noch gut zu erkennen. Heute ist sie eine beliebte Fernstrecke für Wanderer und Radler.

An vielen Stellen trifft man im Voralpenland auf die Überreste aus der römischen Besatzungszeit vor ca. 2.000 Jahren. Bereits 15 v. Chr. wurde die Region im Zuge der Eroberungskriege als Provinz Raetia dem römischen Reich einverleibt. Cambodunum (Kempten) gilt daher neben Trier und Köln als eine der ältesten Städten Deutschlands und dürfte fast 200 Jahre lang die Provinzhauptstadt gewesen sein.

 

Fakten

• ab ca. 15 v. Chr.: Eroberung des Alpenraums durch Alpenfeldzüge des Augustus; Gebiet des heutigen Allgäus wird Teil des Römischen Reiches

• 1. Jh. n. Chr.: Ausbau der Provinz Raetia; erste Straßen, Militärposten und Siedlungen entstehen

• ca. 50–100 n. Chr.: Anlage wichtiger Römerstraßen (u. a. Via Claudia Augusta); Verbindung Italien – Augsburg

• 1.–2. Jh. n. Chr.: Blütezeit: Gutshöfe (villae rusticae), Handwerk, Handel; römische Lebensweise verbreitet sich

• ca. 90–120 n. Chr.: Sicherung der Nordgrenze durch den Raetischer Limes

• 2.–3. Jh. n. Chr.: Weiterentwicklung von Infrastruktur, Thermen, Straßen; zunehmender Druck durch germanische Stämme

• ab ca. 233 n. Chr.: Erste größere Alemanneneinfälle; Beginn der Krise in der Region

• ca. 260 n. Chr.: Aufgabe des Limes (Limesfall); Rückzug der Römer aus dem Voralpenraum

• 3.–4. Jh. n. Chr.: Restliche römische Strukturen bestehen teilweise weiter; Romanisierung klingt langsam ab

• um 400 n. Chr.: Endgültiges Ende römischer Herrschaft im Allgäu; Übergang zur alamannischen Besiedlung

 
 
 

Epfach war dabei ein besonderer Knotenpunkt. Hier kreuzte sich die alte Salzstraße mit der Via Claudia Augusta und hier befand sich auch eine Brücke über den Lech. Gesichert wurde das durch eine römische Straßenstation auf dem Lorenzberg mit etwa 80 Soldaten und Reitern. Insgesamt 400 Jahre hielten sich die Römer, die immer wieder Angriffen ausgesetzt waren.

Auf dem Auerberg finden sich Reste eines militärischen Stützpunkts samt der Zivilsiedlung Damasia, die wahrscheinlich älteste großflächige römische Siedlung in Bayern. Neben der Tegelberg­bahn sind bei Ausgrabungen recht gut erhaltene Teile eines römischen Gutshofes (Villa Rus­tica) gefunden worden, der wohl im 2.  Jhd.n. Chr. errichtet wurde.

In der Spätantike befand sich in Foetes (Füssen) ein römisches Kastell, heute ist dort das Hohe Schloss zu finden. Auch in Altenstadt (Via-Claudia-Platz), bei Kohlhunden, (Rö­merbad), Peiting (Villa Rus­tica) oder in Epfach (Museum Abodiacum) finden sich bedeutsame historische Funde aus der Römerzeit, für die sich ein Abstecher lohnt. 

 
Abschrift der Tabula Peutingeriana, KI-erstellt

Peutinger Tafel

Die Tabula Peutingeriana ist eine außergewöhnliche Straßenkarte der antiken Welt. Sie zeigt das römische Straßennetz von Britannien bis in den Osten und diente vor allem der Orientierung auf wichtigen Verkehrswegen. Erhalten ist sie nicht als römisches Original, sondern als mittelalterliche Abschrift aus dem 12. Jahrhundert, die wohl auf eine karolingische Vorlage und letztlich auf eine spätrömische Karte zurückgeht. 

Die Darstellung ist stark schematisch und geografisch verzerrt, enthält aber wichtige Angaben zu Orten, Stationen und Entfernungen. Deshalb ist sie für die Forschung eine der wichtigsten Quellen zur Rekonstruktion antiker Verkehrswege und Ortsnamen. Heute wird sie in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufbewahrt.

• antike Straßenkarte des römischen Reiches

• zeigt Verkehrswege von Britannien bis Indien

• erhalten nur als mittelalterliche Kopie

• Abschrift wohl aus dem 12. Jahrhundert

• Vorlage geht auf eine spätrömische Karte zurück

• stark schematisch, nicht wirklich maßstabsgetreu

• wichtige Orte, Stationen und Entfernungen eingetragen

• bedeutende Quelle für antike Ortsnamen und Straßenforschung

• heute in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien

zählt zum UNESCO-Weltdokumentenerbe

 

Aus den damals nachfolgenden Alemannen entstand in der Neuzeit dann der moderne Allgäuer. Das Straßennetz hingegen blieb und es blieb viele Jahrhunderte in Gebrauch. Das Wissen um die Straßenbaukunst geriet in Vergessenheit und damit verfielen auch die prächtigen Römerstraßen im Laufe der Zeit. Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts kam, von Frankreich ausgehend, wieder Schwung in den Straßenbau. Noch heute folgen viele Fernstraßen dem Streckenverlauf der Römerstraßen, besonders im Alpenraum. Wie die sonnenverwöhnten Italiener übrigens mit dem Allgäuer Wetter zurechtgekommen sind, ist nicht überliefert.

 
 

Die Bedeutung der römischen Siedlung Abodiacum lässt sich daran ermessen, dass der Ort auf einer der ältesten Weltkarten von Claudius Ptolemäus (2. Jhd. n. Chr.) und auf der berühmten Peutinger Tafel, einer Karte des Imperium Romanum aus dem 4. Jhd., eingezeichnet ist. Nachdem sie die kriegerischen Wirren des 3. und 4. Jhd. überstanden hatten, wurden die römischen Besatzer Anfang des 5.  Jhd.n. Chr. wieder endgültig aus dem Allgäu vertrieben.

 
 
 
 

Rätien

Rätien war ab 15 v. Chr. eine römische Provinz im Alpenraum. Das heutige Allgäu gehörte zum nördlichen Teil dieser Provinz und lag an wichtigen Verbindungen zwischen Italien und der Donau.

Im Allgäu entstand mit Cambodunum (heute Kempten) eines der ältesten römischen Zentren nördlich der Alpen. Die Siedlung war zunächst militärischer Stützpunkt und entwickelte sich später zu einer bedeutenden Stadt mit Tempeln, Thermen und Verwaltungsgebäuden. Auch Augusta Vindelicorum (Augsburg) spielte als Provinzhauptstadt eine zentrale Rolle für die Region.

Durch das Allgäu verliefen wichtige Römerstraßen, vor allem die Via Claudia Augusta. Sie verband Norditalien über die Alpen mit dem Donauraum. Entlang dieser Wege entstanden kleinere Siedlungen, Gutshöfe und Versorgungsstationen. Flüsse wie Iller und Lech dienten zusätzlich als natürliche Verkehrsachsen.

Die Region war landwirtschaftlich geprägt. Römische Gutshöfe (Villae rusticae) nutzten die fruchtbaren Böden des Alpenvorlands. Gleichzeitig sicherten Militäranlagen und Kastelle die Verkehrswege und die Nähe zum nördlichen Grenzraum des Reiches.

Im 3. bis 5. Jahrhundert nahm der römische Einfluss ab. Mit dem Rückzug der Römer endete die Provinz Rätien, viele Siedlungen wurden aufgegeben oder gingen in frühmittelalterliche Strukturen über.

Heute sind im Allgäu zahlreiche Spuren dieser Zeit erhalten: Ausgrabungen in Kempten, Reste römischer Straßen sowie Funde aus ländlichen Siedlungen zeigen die Bedeutung der Region als Teil des römischen Rätien.


 
 

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