Legau liegt auf einer weiten Hochfläche über dem Illertal. Zwischen Obstwiesen, kleinen Waldinseln und offenen Feldern öffnet sich immer wieder der Blick hinunter zur Iller und hinüber zu den Terrassenrändern. Der Markt ist kompakt, Wege sind kurz, das Leben spielt sich zwischen Marktplatz, Kirchen, Schule und Sportanlagen ab. Wer die Iller sucht, ist rasch an den Ufern: Der Illersteg mit seiner eleganten Fußgänger-Hängebrücke und dem Aussichtspunkt verbindet Uferwege und liefert eine überraschende Perspektive auf Fluss, Auen und die mäandrierenden Kiesbänke. Oben auf der Hochfläche weht fast immer ein leichter Wind, unten am Wasser ist es stiller – beides prägt die Atmosphäre.
Freizeit ist in Legau vor allem draußen. Der Iller-Radweg und Verbindungen über die Hochfläche laden zu genussvollen Runden ein; kurze, schattige Abschnitte wechseln mit freien Passagen über die Felder. Wanderer nutzen die Feld- und Waldwege zwischen den Ortsteilen, die schmalen Täler und die Hangleisten zur Iller bieten unkomplizierte Höhenmeter. Im Sommer bietet das Freibad Abkühlung, an warmen Tagen locken die Auewege zum Spazierengehen. Im Winter führen geräumte Wege ins Freie; wenn es die Bedingungen zulassen, werden Loipen auf den offenen Fluren gespurt und es geht zu Fuß oder mit Langlaufskiern über die Hochfläche. Tennisplätze und weitere Vereinssportangebote ergänzen das Bewegungsprogramm.
Ein besonderes Ensemble stellt der Standort von Rapunzel Naturkost dar: Auf dem weitläufigen Firmencampus werden Bio-Lebensmittel hergestellt, zugleich gibt es ein öffentliches Besucherangebot. Ausstellungen erläutern den Weg vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt, Themen wie ökologischer Landbau, fairer Handel und Handwerkstraditionen werden anschaulich. Ein Schaugarten, Gastronomie mit regional geprägter Küche und ein Laden mit Sortiment aus eigener und zugekaufter Herstellung bündeln sich an einem Ort; bei Führungen sind Einblicke in Abläufe und Qualitätswege möglich. So verbindet Legau Produktion, Wissensvermittlung und Genuss auf engstem Raum – mit klarer Ausrichtung auf Bio-Qualität.
Zur Naturbildung trägt die Umweltstation Unterallgäu bei: Sie bietet Programme und Exkursionen in die Fluss- und Kulturlandschaft und erschließt Lebensräume, die im Alltag leicht übersehen werden. Zusammen mit dem Aussichtspunkt am Illersteg entsteht so ein dichtes Netz an unkomplizierten Naturzugängen.
Das tägliche Leben bleibt überschaubar: Einkaufsmöglichkeiten vor Ort, kurze Wege zu medizinischer Grundversorgung, engagierte Vereine, kirchliche und kulturelle Angebote – all das sorgt für gute Wohn- und Lebensqualität. Legau wirkt dadurch zugleich ländlich ruhig und erstaunlich aktiv: ein Markt, der die Weite der Hochfläche, den Fluss und eine lebendige Alltagskultur klug verbindet.
Früh belegt ist der Raum durch Funde aus Stein- und Römerzeit; die ältesten Weilennamen wie Hofstatt, Strimo, Weno, Witzenberg und Felben verweisen auf lange Siedlungskontinuitäten. 766 erscheint Legau erstmals urkundlich in einem Kaufbrief des Klosters Sankt Gallen, als Güter und Waldungen der Legauer Gegend an das Kloster übergingen. Im 14. und 15. Jahrhundert wechselten die Herrschaften mehrfach, bis Fürstabt Pilgrim von Kempten 1448 die Herrschaft Ehrensberg-Hohentann erwarb. Legau blieb bis zur Säkularisation stiftkemptisch und wurde der Vogtei, später dem Pflegamt Hohentann zugeordnet.
Wichtige Rechtsstufen prägen die Marktgeschichte: 1455 verlieh Kaiser Friedrich III. das Marktrecht; 1483 erhielt Legau ein Dorfgericht, 1485 den Blutbann. Diese Gerichtsstätte ist Teil der lokalen Erinnerungskultur. So selbstbewusst sich der Markt entwickelte, so deutlich sind auch die sozialen Spannungen überliefert: 1491 kam es zu Bauernunruhen, die in einem Vergleich zwischen Abt und Bauern mündeten. Im Bauernkrieg 1525 führte Thomas Scherer den „Legauer oder Altusrieder Haufen“ an; nach der Niederschlagung des Aufstands wurde er hingerichtet.
Der Dreißigjährige Krieg traf den Markt hart. Die Pest forderte 1628 zahlreiche Opfer, belegt durch die Bestattungen auf dem Pestfriedhof bei Lehenbühl; 1632 erreichten schwedische Truppen den Ort. Verwaltungsgeschichtlich folgte die Einteilung des stiftkemptischen Gebiets in sieben Pflegämter, und es setzte eine einschneidende Vereinödung ein, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts andauerte. Im Spanischen Erbfolgekrieg kam es 1704 zu einem Gefecht zwischen Franzosen und kaiserlichen Husaren zwischen Legau und Raggen, das mit Gefallenen und Gefangenen endete.
Mit 1806 und der Säkularisation verlor das Fürststift Kempten die Hoheitsrechte, Legau wurde bayerisch. 1818 entstand mit dem Gemeindeedikt die politische Gemeinde. Das 19. Jahrhundert sah eine Stabilisierung ländlicher Strukturen, Aus- und Neubauten an Kirche und Höfen, verbunden mit der schrittweisen Modernisierung der Infrastruktur. Ein wichtiger Schritt in die verkehrliche Moderne war 1904 die Eröffnung des Bahnanschlusses nach Memmingen; der Sackbahnhof Legau blieb bis 1972 in Betrieb, die Strecke wurde bis 1975 weitgehend zurückgebaut.
Im 20. Jahrhundert entwickelte sich der Markt zwischen Landwirtschaft, kleinteiligem Gewerbe und zunehmender Auspendlerstruktur. Eine neue Prägung erhielt Legau durch die Ansiedlung eines großen Bio-Lebensmittelherstellers, dessen Standort über lokale Wirtschaftskraft hinaus Bedeutung gewann. Mit der Eingemeindung von Maria Steinbach 1978 wuchs der Markt auch verwaltungsmäßig zusammen; die Marienwallfahrt aus dem 18. Jahrhundert blieb identitätsstiftend. Heute verbinden sich historische Rechte und Krisenerfahrungen, Vereinödung und Neuordnung, Verkehrs- und Wirtschaftsveränderungen zu einer langen Linie: Ein Markt mit alten Rechtsprivilegien, einer deutlichen Kriegs- und Seuchenerfahrung im 17. Jahrhundert, bayerischer Verwaltungsprägung seit dem frühen 19. Jahrhundert – und einer Gastgeber- und Vermittlungstradition, die von Wallfahrt und Wirtshaus bis zu modernen Besucherangeboten in Produktion und Umweltbildung reicht.
Markt Legau
Marktplatz 1
87764 Legau
Tel.: 08330 / 9401-0
Fax: 08330 / 9401-21
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Tourismus Oberstdorf
Heilklimatischer Kurort
und Kneippkurort
Prinzregenten-Platz 1
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